Meinung: Media Monday #283

Und wieder die Bahnfahrt zur Arbeit für den Media Monday genutzt. Läuft. Meine Ergänzungen sind wie immer in kursiv gehalten. Habt eine schöne Woche und lasst mal eure Meinung da


1. Wenn ich daran denke, dass jetzt schon wieder die Vorweihnachtszeit beginnt fällt mir auf, dass ich noch gar nicht “in the mood” bin, obwohl ich am WE schon deftig Entenbrust mit Rotkohl und Klößen hatte. Aber so wirklich ändern wird sich das wahrscheinlich sowieso nicht, ich bin kein Christ und mag zwar das Zusammentreffen mit der Familie aber bin extrem abgeturnt von diesem Konsum-Wahnsinn.

2. Normalerweise mag ich Filme von Martin Scorsese ja sehr gerne, aber mit THE WOLF OF WALL STREET hat er echt ins Klo gegriffen, denn dieser monotone, überlange Film verherrlicht den gezeigten Lifestyle – High-Life auf Kosten tausender ausgenommener Menschen, die der portraitierte Widerling grinsend um ihre Lebensträume gebracht hat – aufs übelste! Scorsese nickt anerkennend in Jordan Belforts Richtung und deswegen ist es ein absolut abstoßender Streifen.

3. Die HOBBIT-Trilogie ist eine der enttäuschendsten Verfilmungen überhaupt, denn ein nettes Kinderbuch wird von dem Mann, der (verdammt noch mal) HERR DER RINGE gemacht hat zu einem leeren, unfassbar hässlichen Videospiel ohne Controller aufgeblasen. Charakter-Tiefe, Physik der Kämpfe, Weichzeichner-Look – da passt wirklich gar nichts und den dritten hab ich mir geschenkt. 

4. Das Product Placement in jedem beliebigen Blockbuster ist bei all den Standard-Problemen, die diese Gattung mittlerweile hat, eins der kleineren Übel.

5. Wenn es um hochwertige und großartige Serien geht, fehlen mir noch viele (angeblich) “beste Serien aller Zeiten”. SOPRANOS, SIX FEET UNDER, die letzten drei Staffeln THE WIRE, und noch viel mehr. Da mir aber zig andere, ebenfalls hochgelobte Formate wirklich nicht zusagen, hab ich es nicht eilig – wahrscheinlich gefällt mir das alles eh nicht – und denke oft: haltet doch den Ball mal flach bei den Lobgesängen.

6. Jeder brillante Film der Vergangenheit ist auch nach Jahren noch brillant. Es gibt kein “zu alt”, nur Filme die von vornherein wohl doch nicht so gut waren. Einfach mal ein bisschen die Sehgewohnheiten öffnen, dann klappt das auch.

7. Zuletzt habe ich den kleinen deutschen Provinz-Thriller TRASH DETECTIVE gesehen und das war skurril, teils regelrecht grotesk, allein aufgrund der Mundart aus dem Schwabenländle, auf der anderen Seite aber auch tief tragisch, weil der über die Stränge schlagende Protagonist eben nur oberflächlich ulkig, eine Ebene tiefer aber schwerst alkoholkrank und mental gebrochen war. Insgesamt aber ein spannender Mix, denn der Film war quasi ein abgründiger Film Noir in der verschlafenen deutschen Dorf-“Idylle”.