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Meinung: Media Monday #233

Ein gutes WE mit schönem (Weihnachts)essen, Freunden, Familie und einem abschließenden Kinobesuch von HUNGER GAMES: MOCKINGJAY 2 liegt hinter mir. Nun geht es ab in die letzte Woche Arbeit, bevor ich es für dieses Jahr gut sein lassen darf. Wird Zeit, denn ich fühle mich regelrecht ausgebrannt Mit Freude stürze ich mich dennoch in den Media Monday #233. Meine Antworten zu Wulf’s Lückentext sind wie immer kursiv.


1. Mit eines der schönsten Dinge, das mir durch mein Blog widerfahren ist ist die Mischung aus dem Gefühl, dass mein Geschreibsel tatsächlich jemanden interessiert und das gewachsene Interesse für das Geschreibsel der anderen. Auch wenn das schreiben über Filme immer Leidenschaft bleiben wird (so wie die Liebe zum Film generell), freue ich mich doch sehr, dass ein wenig was zurück kommt und versuche ebenso an anderer Stelle zu diskutieren, loben, etc.

2. So authentisch, wie Veerle Baetens in THE BROKEN CIRCLE BREAKDOWN eine(n) leidende Mutter nach dem Tod ihres Kindes dargestellt hat, tat der Film richtig weh. Überhaupt balanciert Felix van Groeningen, der ja auch schon mit dem grandiosen DIE BESCHISSENHEIT DER DINGE einen Fußabdruck hinterließ, enorm gekonnt zwischer den so nah liegenden Extremen von Hoffnung und Verzweiflung.

3. Während man sich die Fortsetzung(en) zu z.B. SIN CITY getrost hätte schenken können, hätte ich viel lieber mal einen Nachfolger zu ____ gesehen, schließlich ____ Sorry, aber ich brauche das generell nicht. Egal, ob MATRIX REVOLUTIONS, CRANK 2 oder jede nur erdenkliche andere Grütze – es kam an Fortsetzungen wirklich nur in den aller-seltensten Fällen etwas gutes ins Kino. ALIENS oder TERMINATOR 2 fallen mir da ein, aber sonst? Naja, immerhin sehe ich wegen Dennis Villeneuve für BLADE RUNNER 2 nicht vollständig schwarz.

4. Ja, irgendwie weihnachtet es ja doch so langsam. Wenn ich mir dann doch mal einen Weihnachtsfilm anschauen würde/müsste/wollte, fiele meine Wahl wohl auf BAD SANTA. Den wollte ich schon immer mal sehen .

5. Bewusst vor dem Kinostart von Star Wars VII gestellt: Mein persönliches Kino-/Film-Highlight 2015 war bis jetzt VICTORIA. Allerdings liefert der sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit EX MACHINA. Das sind die beiden Filme, die dieses Jahr von mir 10 von 10 bekamen – die Gründe stehen in meinen ausführlichen Reviews. Klickt doch mal

6. Bei der Kürze der Tage und der ständigen Dunkelheit könnte man ja beinahe missmutig werden. Helge Schneider heitert mich aber zuverlässig jedes Mal auf, denn sein (weit tiefgründiger als es anfangs scheint angelegter) melancholischer gaga-Humor begleitet mich nun schon zwei Drittel meines Lebens.

7. Zuletzt habe ich MOCKINGJAY 2 gesehen und das war wirklich dürftig, denn während der Vorgänger, bzw. die voran gegangene Filmhälfte zwar in Bezug auf die Story nichts zu erzählen wusste, allerdings durch recht beklemmende Bilder wirkungsvolle Kriegsfilm-Analogien erschuf, die in Kombination mit den Betrachtungen zu Macht, ihrer korrumpierenden Wirkung und der Entstehung von Totalitarismus ohne Frage einen Effekt erzielten, zwingt die Cash-Cow-Zweiteilung MOCKINGJAY 2 nun endgültig in die Knie.

Ganz lange passiert erst mal auf sämtlichen Ebenen, inhaltlich wie auch emotional, gar nichts. Gar nichts! Das (einen gesamten Film andauernde) Build-Up aus MOCKINGJAY 1 ist durch, jetzt würde im Normalfall ein kurzer Mitelteil folgen, der sich nach und nach zuspitzt. MOCKINGJAY 2 dümpelt jedoch endlos auf einem konstanten Level vor sich hin. Mindestens eine Stunde lang, in der Katniss überwiegend apathisch rumliegt, oder in die Gegend guckt, sämtliche anderen, im Schnitt ja sehr fähigen Darsteller, in ihren Rollen nichts zu tun haben und so ziemlich jede Einstellung zu lang, weil schlicht nichtssagend ist. Dann geht’s ins Capitol, der Film zieht (minimal) an, stimmt durch eine fast schon horror’eske Mutanten-Konfrontation in dunklen Abwasser-Kanälen zeitweise wieder wohlgesonnen, liefert dann jedoch ein Finale, was keins ist und lässt mit dem fragenden Gefühl, dass es das doch jetzt nicht gewesen sein kann, zurück. Das reicht nicht.

Ärgerlich kommt der Film zudem in seinen Erklärbär-Tendenzen daher: Was im Vorgänger thematisch gar nicht unklug in nicht subtilen, aber dennoch unausgesprochenen Andeutungen vermittelt wurde, hauen die Macher den Zuschauern nun mit der Brechstange um die Ohren – auf das auch jeder verstehe, dass Moore’s Figur zum Äquivalent von Präsident Snow geworden ist, etc. Die finale Lösung für eine Republik, die so tief im Dystopie-Sumpf hing, ist dann in ihrer hilflosen Suche nach Hollywood’scher Happy-End-Glückseeligkeit viel zu kurz gedacht und stößt ab, vor allem, weil auch der zuvor gelungen umschiffte Panem-Kitsch wieder mit voller Kraft rein haut. Nee, so einfach ist es nicht, weder für eine Nation, die sich von einer brutalen Militär-Diktatur erholen muss, noch für eine “Heldin”, die drei Filme lang zu Greueltaten instrumentalisiert wurde, die sie nah an der Psychose haben vorbei schliddern lassen – vielleicht macht sich hier die Jugendbuch-Vorlage doch wieder bemerkbar? Leider ein sehr mauer Abschluss einer Reihe, die sowieso von Film zu Film schlechter wurde.


So viel von mir – habt eine schöne Woche!

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5 Gedanken zu „Meinung: Media Monday #233“

  1. Ohje, Mockingjay 2 liest sich aber nicht gut. Habe beide Teile noch nicht gesehen, nehme ich mir aber vor, da ich die Bücher und die ersten beide Verfilmungen richtig stark fand.

    1. Ja, leider. Habe beim Schauen im Kino schon gemerkt, wie ich ständig gedanklich abgeschwiffen bin, weil der Film einfach nicht interessant genug war. Ich finde die Reihe baut konstant ab – in Punkten bin ich bei 8, 7, 6 und nun 4 für MJ 2. Hmmm…

      1. Ohje, das lässt meine Hoffnungen nun wieder schwinden. Habe aber schon viele unterschiedliche Meinungen gelesen, so dass ich mir wohl eine eigene bilden muss…

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