#japanuary: Marebito

Titelbild © by Alive

Jahr: 2004
Regie: Takashi Shimizu
Drehbuch: Chiaki J. Konaka
Cast: Shinya TsukamotoTomomi MiyashitaKazuhiro Nakahara
Genre: Psychothriller, Weird-Cinema

Review
Mit MAREBITO hatte ich vor einigen Jahren den #japanuary endlich “richtig” gestartet – und direkt einen in allen Belangen hässlichen Film gesehen.

Sowohl visuell – der kalt ausgeleuchtete Look sorgt zwar gelegentlich für bewusst karg gehaltene stimmungsvolle Momente, wirkt aber die meiste Zeit (ganz analog zu den Tätigkeiten des von der Videokamera besessenen Protagonisten) amateurhaft und unbeholfen – wie auch inhaltlich. Denn die Hauptfigur kämpft mit dem Gefühl der Entfremdung, baut daraus hinaus stark soziopathisch keinerlei menschliche, oder gar emotionale Bindung zu irgendwem auf und sucht durch Auslebung von obsessivem Katastrophen-Voyeurismus nach dem puren Bösen. Das alles sind keine guten Vorzeichen für ein erfülltes Leben und sie gipfeln nach schleichender Verschlechterung des Geisteszustands unseres Protagonisten in einem unangenehmen Abdriften in den Wahnsinn. 

An sich verfolgt MAREBITO einen spannenden Ansatz, stellt sich doch immer mehr heraus, dass dem Film vor allem daran gelegen ist, besagten Geisteszustand in teils mysteriöse, teils verstörende Bilder zu transferieren. Doch diese audiovisuelle Ebene steht relativ isoliert in einem Film da, dessen andere Aspekte mit der aufkommenden beklemmenden Stimmung leider nie ganz mithalten können. Das Gesamtbild wird nie so richtig rund.

Primär stehen dem vollen Erfolg des Werks vor allem das wenig ausgereifte Spiel von Hauptdarsteller Shin’ya Tsukamoto (hier mal in einem Film ohne eigene Regie vor der Kamera) und die hölzerne Off-Kommentar-Erzählweise im weg. Tsukamoto ist natürlich seit seinem wegweisenden Cyberpunk-Trip TETSUO – THE IRON MAN als Garant für krassen Irrsinn und Exzesse weit über die Grenze zum Wahnsinn hinaus bekannt. Vor und hinter der Kamera. Nur weiß er sich selbst und seine relativ begrenzte Range (oftmals sogar als Hauptdarsteller) in den eigenen Filmen eben besser zu instrumentalisieren, als es hier der Fall ist. MAREBITO ist, salopp gesagt, wohl einfach noch nicht “drüber” genug, um die vielmals bereits aufgegangen Verschmelzung all seiner Qualitäten (Writing und Inszenierung) und Defizite (Acting) in ähnlichem Maße zu erreichen.

Das schmälert das Resultat ein wenig. Jedoch glücklicherweise nicht genug, als dass dieser surreal angehauchte Film seine angenehm-unangenehme Wirkung vollends einbüßen würde.

Etwas Irrsinn geht schließlich immer!

Wertung
6 von 10 verwackelten Amateur aufnahmen