#japanuary: IZO – The World Can Never Be Changed (2004)

Titelbild © by Rapid Eye Movies

Facts
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Shigenori Takechi
Darsteller: Kazuya NakayamaKaori MomoiRyuhei MatsudaHiroki MatsukataRyôsuke MikiMasumi Okada
Jahr: 2004
Genre: Weird-Cinema, Mystery, Mindgame, Surreal, Samurai

Review
Mit IZO lieferte Takashi Miike ein wildes, lautes, ungestümes Stück Film ab. “Was will dieser Film eigentlich? Was genau soll das alles?” – dies waren über weite Strecken nicht unbedingt die vorherrschenden, aber doch sehr präsente Fragen in meinem Hinterkopf, die sich während ich den wütenden, brüllenden Rachegeist Izo durch Epochen, Szenarien und Kulissen rennen und dabei Huntertschaften an Opponenten nieder metzeln sah, immer wieder in den Vordergrund schoben. 

Denn zunächst gestaltet sich sein Feldzug vor allem zusammenhanglos und anstrengend – trotz fantastischer, teils hochgradig kreativer Szenenübergänge und Bildwechsel, sowie der gelungenen surrealen Atmosphäre schleicht sich ein nicht von der Hand zu weisendes Maß an Wiederholung ein. Nächste Kulisse, nächste Gegner, mal Yakuza, mal Soldaten, mal Samurai. 

Die einzige Entwicklung scheint darin zu liegen, dass Izo’s Wut, Trauer und Hass in einer emotionalen Abwärtsspirale immer weiter und bis ins Unermessliche steigen. Und eben diese Emotionen sind es, die schlussendlich den Schlüssel zu Miike’s gesellschafts- wenn nicht gar menschheitskritischem Werk bilden. Immer wieder streut der Filmemacher emotional zerreißende Klagelieder eines japanischen Liedermachers über Trauer und Verlust ein, in regelmäßigen Zwischensequenzen werden uns quälende Bilder aus der gesammelten Kriegsgeschichte der Menschheit entgegen geschmettert und vereinzelte Rückblenden in Izo’s Leben, bzw. die vielfältigen Wege die seine Seele gegangen ist, machen klar dass dieser Mensch durch Gewalt alles verloren hat. Die Menschen die er liebte, sein Leben und vor allem auch – durch die Taten, die er aktiv als Soldat ausüben musste – sich selbst. 

Und aus Gewalt folgt mehr Gewalt, aus unerträglicher Schuld folgt Wahn und aus der Summe dieser Teile Izo’s verfluchter Weg in die ewige Qual. Anfangs menschlich wird er zunehmend zum Dämon, bis an den Punkt, wo keine Erlösung mehr möglich ist – ist die rote Linie erst überschritten, sind Tod und verderben alles existente. 

Unterm Strich greift IZO also die schlimmsten aller Themen auf und setzt das nie enden wollende Schlachtfest gezielt für seine Aussage ein: aus Gewalt kann nie Gutes entspringen und doch werden die Menschen immer an ihr festhalten (hier symbolisiert durch eine Art höheren Rat, den Izo zu erreichen und auszulöschen anstrebt). Puh. Schöner Downer. 

Formell schwankt IZO jedoch leider zwischen kreativer Brillanz und billiger Schlampigkeit. Vor allem dass die Schwertkämpfe, welche wirklich einen großen Teil des Films ausmachen, oft nicht wirklich überzeugend choreografiert sind, ist in Anbetracht des blinden Hasses in ihnen zwar folgerichtig, trug für mich jedoch (vor allem, als der Punkt, an dem es in Bezug auf die Intention von IZO klick machte, noch nicht erreicht war) nicht gerade zum “Genuss” des Films bei.

Ein Wechselbad aus verspielten visuellen Ideen, trauriger, regelrecht poetischer Melancholie und einer trotz allem zermürbenden Seherfahrung voll von reinem Wahnsinn. Schon unangenehm, wie dieser Film das Schaffen der Menschheit reflektiert.

Wertung
7 von 10 aufgeschlitzten Machthabern

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