GeSneakt: Black Sea (2015)


Trailer © by Sony Pictures Home Entertainment


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Thriller
Regie: Kevin MacDonald
Drehbuch: Dennis Kelly
Besetzung: Jude Law, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, Karl Davies, Konstantin Khabenskiy, Grigoriy Dobrygin, Branwell Donaghey
Kamera: Christopher Ross
Musik: Ilan Eshkeri
Schnitt: Justine Wright


Review
Witzige Erfahrung: Ich bin im Kino genau so wenige Minuten zu spät gekommen (shame on me, ich Störenfried), dass ich die Vorab-Information und den Vorspann des geSneakten Films verpasst habe. Ich saß also im Kino, erkannte einen betont abgehalfterten Jude Law, ohne jedoch zu wissen welche Filme in seiner Filmografie als nächstes anstehen. Somit hatte ich über die komplette Laufzeit des Streifens weder Ahnung wie er heißt, noch von wem er ist – im Zeitalter der totalen Informations-Überflutung auch mal ganz schön.

Schnell bahnte sich an, dass der Streifen, im Nachhinein als BLACK SEA des Schotten Kevin MacDonald identifiziert, den Weg eines (hoffentlich) geradlinigen Genre-Filmchens einschlagen würde – ein entlassener Seemann wird durch dubiose Kontaktmänner zur illegalen Bergung eines sagenumwobenen U-Boots voller Nazi-Gold angeworben. Sein Team soll er sich selbst zusammenstellen und bereits die Besprechung seiner Auswahl mit dem Mittelmann des Auftraggebers deutet in eine recht Klischee-beladene Richtung. Und richtig, es sollte ein Survival-Tauchgang nach Schema F werden.

Captain Robinson: “Ich will Fraser!”
Daniels: “Was? Fraser?”
Captain Robinson: “Er ist ein Psychopath. Aber einer der besten Taucher, die ich kenne!”

BLACK SEA liefert genau das, was man sich unter einem U-Boot Thriller vorstellt – mal recht spannend, atmosphärisch und beklemmend, mal richtig doof, unbeholfen in Humor und Dialogen und voller kleinerer inhaltlicher Aspekte, die genau so vom Schnitt-Tisch hätten fallen können. Auf jeden Fall weiß MacDonald (der ja mit LAST KING OF SCOTLAND und STATE OF PLAY in der Vergangenheit eine nicht von der Hand zu weißende Kompetenz bewiesen hat) um die bedrückende Wirkung eines U-Boots und gönnt dem Film die nötige Ruhe, um dies genügend zu entfalten. Oft ist es still genug, sich kurzzeitig in den leise knarrenden, blubbernden, beängstigenden Klängen des Schiffes tief unter der Meeresoberfläche zu verlieren, Spannung wird meist durch Langsamkeit erzeugt und die stärksten, atemlosen Momente hat der Film z.B., wenn der bullige Navigator bei ausgefallenen Instrumenten per selbst-erzeugtem Sonar durch gefährliche Untiefen manövriert. Atmosphärisch macht diese moderne Schatzsuche wenig falsch.

Inhaltlich liegt jedoch Einheits-, und vor allem auch EinMALkost vor. Zwar ist der Film mit Jude Law, Konstantin Khabenskiy und besonders Ben Mendelsohn (ich möchte diesen irren Typen mit seiner unglaublichen Präsenz bitte in VIEL mehr Filmen sehen) stark besetzt, doch läuft der Plot stark schematisch ab: Der Psycho dreht durch, Konflikte entstehen, etc. Das ist bei klaren Genrefilmchen kein Problem – alte Geschichten, gut erzählt, kann als Leitmotiv wirklich gut funktionieren – jedoch lädt Autor Dennis Kelly das Skript mit reichlich unnötigem Ballast auf. Robinson’s Flashbacks voller überbelichteter Familien-Idylle sollen ihm Antrieb und Tiefe geben – funktioniert nicht, er ist wie alle anderen Figuren ausschließlich Mittel zum Zweck. Das funktioniert im Rahmen des möglichen, reizt aber ganz sicher nicht zu mehrfachem Abtauchen mit Robinson und seiner russischen Rostlaube.

Im Schnitt macht BLACK SEA genug Spaß um das Gesehene zu kauen, runterschlucken, verdauen und direkt wieder zu vergessen und kommt im Fazit zu einer offensichtlichen aber richtigen Aussage über die menschliche Gier. Kurzzeitiger Thrill, der nicht ansatzweise einen Eindruck hinterlässt (bei mir zumindest nicht). Kann man gucken, da durch die Inszenierung des Settings temporär Spannung aufkommt und Mendelsohn heftigst liefert, muss man aber nicht, da genug bessere Filme ebenfalls auf eine Sichtung warten. Pro und Contra schweben in Waage durch die Tiefsee – nicht abgesoffen, keine Sonne an der Oberfläche gesehen, kurz: vollkommener Durchschnitt.


Wertung
5 von 10 geborgenen Nazi-Goldbarren


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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