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Film: Was? – Che? (1973)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Koch Media


Fakten
Jahr: 1973
Genre: Satire, Komödie, Groteske
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Gérard Brach, Roman Polanski
Besetzung: Sydne Rome, Marcello Mastroianni, Hugh Griffith, Gianfranco Piacentini, Guido Alberti, Dieter Hallervorden, Nerina Montagnani, Romolo Valli
Kamera: Marcello Gatti, Giuseppe Ruzzolini
Musik: Claudio Gizzi
Schnitt: Alastair McIntyre


Review
Eingebettet zwischen Shakespeare und CHINATOWN nimmt Roman Polanski sich 1973 die spätrömische Dekadenz der gelangweilten High-Society in ihrem endlosen Loop aus alltäglicher Leere, sexuellen Eskapaden und Ausschweifungen jeglicher Art vor und liefert damit ein Stück Film, dass sich als einer der seltenen Ausreißer aus dem gängigen Tenor seines Gesamtwerkes herausstellt. Fällt der Name Polanski, so formt sich vor dem inneren Auge direkt das Abgründige – gescholtene Seelen (vermeintlich ein Spiegel seines eigenen Innern, das schon mit 10 Lebensjahren mehr hatte ertragen müssen, als die meisten Menschen im Lauf ihres gesamten Lebens) im Kampf mit den eigenen Dämonen und dem Unverständnis ihrer Umwelt, düstere, hoch-psychologische Szenarien in denen der humane Kern unserer Spezies gegen die Übermacht des Schlechten konstant zu verlieren droht – das Dunkle, in seiner gesamten Bedrohlichkeit, zieht sich vielleicht als konstantester Faden durch die Filme des Meisters.

Als jedoch die von Sydne Rome verkörperte Nancy zu Beginn von WAS? durch ein sinnbildliches Portal auf ein nobles Anwesen stolpert, unwissend hinein in eine seltsame, hermetisch von der unseren abgetrennte Parallel-Welt, und sich dort in einem verwirrenden, entrückt anmutenden Mikrokosmos wiederfindet, hat dies zunächst, von der zuvor gerade noch vereitelten Vergewaltigung abgesehen, rein gar nichts düsteres an sich. An diesem Ort, dessen verschworene Gemeinschaft so undurchsichtig und befremdlich agiert, regiert der direkte Impuls und eine omnipräsente Leere scheint den Menschen wie unwilliges Fleisch in Lethargie zu zwingen. Die Tage vergehen, die Uhren ticken anders – langsamer, schräger, zirkulärer. Das mysteriöse, teils debile Verhalten der vielzähligen Bewohner des verwinkelten Hauses wird von Stillstand, vor allem auf seelischer Seite, dominiert. Absurd sind die entstehenden Situationen, wenn Nancy halbnackt durch die hellen Gänge stolpert und trotzdem nicht wahrgenommen, oder von pornösen Zuhältern im Bademantel direkt als Objekt der Begierde angeschmachtet wird und natürlich wäre Polanski nicht der, der er ist, wenn sich im Zuge dieses grotesken Kurzurlaubs im vermeintlichen Paradies keine menschlichen Abgründe auftun würden – nur sind diese eben von wenig beklemmender Natur, sondern stellen ein gewisses Klientel an den Pranger, dessen Kapitualtion vor der Sinnlosigkeit des eigenen Lebens fast schon ein wenig Mitleid hervor ruft.

Von einer Mischung aus (wortwörtlich) blauäugiger Naivität und tief menschlicher Neugier getrieben, gleitet Nancy von einer bizarren Situation in die nächste, spielt Duette mit unter Arthritis leidenden Pianisten, wird von Verrückten im Tiger-Kostüm begattet und beginnt schon am zweiten Tag ihres Aufenthaltes zu grübeln, ob sie all dies nicht schon einmal erlebt hat. Gefangen in der Endlosigkeit, umringt von allen materiellen Dingen, die der Mensch sich nur wünschen kann, zwanglos in totaler Freiheit und doch vollkommen ausgebrannt, unfähig zu fühlen, weil in all dem Prunk die eigene Bedeutung zu verdunsten droht. Die Bloßstellung derartiger Lebens-Entwürfe gelingt Polanski zunächst noch gekonnt und einige mysteriöse, fast surreale Ideen stellen die endlose Monotonie in ihrer repetitiven Art geradezu brillant hervor. Und doch fehlt im Ganzen entschieden der nötige Biss, den es bräuchte, um den feinen Damen und Herren tatsächlich entwaffnend und über ein Level der reinen Feststellung hinaus, auf die Pelle zu rücken. Wahrlich effektiv den Spiegel vorzuhalten. WAS? gestaltet sich trotz nackter Haut, Harpunen und rammelnden Nichtsnutzen zu zahm, um da zu treffen, wo es weh täte und bleibt so ein Sammelsurium guter, aber loser Ansätze, welches dank der sommerlich-malerischen Atmosphäre und dem absurden Humor fluffig zu schauen ist. Nett, aber ein Film der weitaus mehr hätte sein können.


Wertung
5 von 10 bizarren Fesselspielen


Veröffentlichung
WAS? ist am 03. November bei Koch Media GmbH als BluRay und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Trailer, Interviews mit Darstellerin Sydne Rome, Komponist Claudio Gizzi und Kameramann Marcello Gatti. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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