Film: The One I Love (2014)


Trailer © by RADiUS-TWC


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Drama, Mindgame
Regie: Charlie McDowell
Drehbuch: Justin Lader
Besetzung: Mark Duplass, Elisabeth Moss, Ted Danson
Kamera: Doug Emmett
Musik: Danny BensiSaunder Jurriaans
Schnitt: Jennifer Lilly


Review
THE ONE I LOVE – dieser eine Mensch, den du liebst. Wer ist er? Was zeichnet ihn aus? Welche unvergleichlichen Eigenschaften machen ihn besonders, welche nagenden Macken zeitweise unerträglich? Fragen, die sich jeder Mensch der in längeren Beziehungen lebt, zwangsweise irgendwann stellt. Mal mehr, mal weniger, mal aus einem heftigen Streit und mal aus der beflügelnden Verzückung heraus, die nur dieser eine Mensch hervorrufen kann. Der eine, den man liebt. Doch was, wenn man ihn vielleicht gar nicht wirklich kennt? Denkt ihn vollkommen zu lieben, aber doch nur die halbe Wahrheit sieht? Was wenn man das Unangenehme so effektiv ausblendet, dass das große Glück nur fälschlicher Trug ist? Wie viele seiner Ticks muss man ignorieren, um glücklich zu bleiben? Letztere sind wichtige Fragen, die ein hohes Maß an Ehrlichkeit zu sich selbst erfordern und daher in der Regel mit Vorliebe weit von sich geschoben werden – das Ergebnis könnte schließlich unangenehm sein.

Der ohne große Mittel gedrehte Independent-Film THE ONE I LOVE geht genau diesen Fragen nach und entwirft zu ihrer Klärung ein spannendes Gedankenexperiment in Form eines dichten, inhaltlich kreativen Kammerspiels. Konkret bekommt ein unglückliches Paar von ihrem Therapeuten den Auftrag für ein Wochenende auf ein Anwesen in die Berge zu fahren und sich neu kennen zu lernen – dieser Ort habe bis jetzt JEDE Beziehung gerettet – was sie halbherzig, aber dennoch optimistisch gestimmt, in Angriff nehmen. Einmal angekommen und um angenehme Zweisamkeit bemüht, dauert es nicht lange bis… Dinge passieren. Seltsame Dinge – jedes weitere Wort wäre zu viel. Wer obige Fragen also spannend findet und demnach in Betracht zieht sich Charlie McDowell’s Regiedebut wirklich anzuschauen, tut gut daran genau jetzt aufzuhören zu lesen, keinen Trailer zu gucken, sondern einfach den Film zu starten und sich dem Inhalt hinzugeben. Die Maxime “erst der Film, dann alles andere” schadet in den letzten Jahren sowieso nicht, aber zahlt sich hier besonders aus, denn der erste große inhaltliche Knall in diesem verrückten Werk, wird nicht der letzte bleiben.

Es sei nur so viel gesagt: THE ONE I LOVE lässt Mark Duplass und Elizabeth Moss von der Leine und erlaubt ihnen alles aus sich heraus zu holen – das Resultat ist großes, enorm nuanciertes Schauspiel, ohne welches der mächtige Stoff wahrscheinlich im Sande versickern würde, anstatt dem Zuschauer, sofern er sich darauf einlässt, massiv in seiner Selbstwahrnehmung auf den Zahn zu fühlen. Die Wirrungen der Handlung spannen immer wieder neue Facetten der gleichen Fragen auf: Wie ehrlich bist du zu dir selbst? Wo werden Kompromiss und Wandelbarkeit zur Selbstaufgabe? Wer bereit ist, sich zu Gedanken über das generelle Wesen und die Nachhaltigkeit romantischer Beziehungen anregen zu lassen, oder gar weiter zu gehen und die sichere Bastion der eigenen Realität zu sprengen, um Wirkungs-Mechanismen von Selbsttäuschung und der im Alltag ständig stattfindenden Konstruktion geschönter Optimalbilder zu erforschen, wird in THE ONE I LOVE seine helle Freude finden.

Kopfkino par excellence, in dem nicht zwingend alles logisch aufgeht – und auch nicht muss, weil das Konzept über der Logik steht – welches dafür aber umso mehr zum Grübeln anregt. McDowell entlockt dem seltsamen Stoff von Autor Justin Lader mit wenigen Mitteln eine Menge und pusht die zwei Darsteller zu Höchstleistungen (wobei Duplass noch ein Quäntchen brillanter agiert) – das Endprodukt ist stimmungsvoll, mitreißend und strotzt vor Gehalt. Ein starkes Debut, was auf mehr hoffen lässt – einziges Manko: Der Film ist in Deutschland noch gar nicht erschienen (mit der richtigen IP aber über Netflix USA im Stream erhältlich). Edit: Netflix hat ihn nun auch in Deutschland ins Programm genommen.


Wertung
8 von 10 auf den Zahn gefühlten Beziehungskrisen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

Flattr this!

2 Gedanken zu „Film: The One I Love (2014)“

    1. Der Fluch der endlosen Watchlist
      Ich liebe Moss seit MAD MEN auch sehr und habe mich gefreut, sie hier mal in einer Hauptrolle zu sehen, die sie einige Nuancen ihres Talents zeigen lässt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.