Film: The Element Of Crime – Forbrydelsens Element (1984)


Trailer © by Universum Film


Fakten
Jahr: 1984
Genre: Neo-Noir, Krimi, Surrealer Film
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier, Niels Vørsel, William Quarshie, Stephen Wakelam
Besetzung: Michael Elphick, Esmond Knight, Me Me Lai, Jerold Wells, Ahmed El Shenawi, Jon Bang Carlsen, János Herskó
Kamera: Tom Elling
Musik: Bo Holten
Schnitt: Tómas Gislason


Review
“I haven’t gone back to Europe in 13 years. […] Europe somehow has become an obsession to me”

Zurückgehen. An lang verlassene Orte, in Momente die vergangen sind – “lost like tears in rain” wurden sie in einem anderen meisterwerk genannt. Wie ist das damals alles gewesen? Wie lang ist Wahrheit absolut, wann beginnt die Zeit gnadenlos Konturen zu verwischen – gab es überhaupt jemals Gewissheit?

Fragmente ordnen sich – schemenhaft, unwirklich, langsam.  Vergangenes wird wieder in die Gegenwart geholt, doch der Preis ist hoch: Realität mutiert zu unscharfer Fiktion – die eigenste, direkteste und doch zweifelhafteste aller Erzählungen. Schönes wird zum Himmel, schlechtes zu einer düsteren, von Dämonen bevölkerten Hölle.

Von Trier schickt uns mit Detective Fischer zusammen in eine solche Vergangenheit. An seiner Seite tief in sie (und somit auch in ihn) hinein – Geschehnisse direkt im Kopf eines Menschen, unscharf begrenzt, Jahre her, verschwommen. Die Welt in der wir uns fortbewegen ist unsere und doch ist sie es nicht – könnte sogar nicht weiter von unserer entfernt sein. Sie ist rationale Analyse und freie Assoziation zugleich, echte Erinnerung und purer Wahnsinn in einem, Erinnerung und Traum.

Städte werden zu dunklen Löchern, Hotels zu schäbigen Baracken, Menschen zum personifizierten Bösen – es gibt nur Licht und Dunkelheit. Keine Nuancen, nichts dazwischen. Nicht optisch und nicht im Herzen von Fischer. Seine Perspektive ist 1 oder 0, ist Leben oder Tod, der Ausweg wäre einfach, und trotzdem unmöglich zu finden.

Selten, wirklich ganz selten, schafft ein Filmemacher es, unsere Welt nicht wie unsere Welt aussehen zu lassen. So wie Tarkovski uns in STALKER die Zone vorsetzt – reale Landschaft, real gefilmt – und sie doch wie eine abstrakte, immer minimal entrückte fremde Dimension erscheinen lässt, so schafft es auch von Trier in THE ELEMENT OF CRIME die Grenzen zwischen sehen, fühlen und erleben fließend zu gestalten, geradezu gänzlich aufzuheben. Fischers Reise wird die unsere, wir begeben uns in die Psyche des Killers, verstehen den Killer, werden der Killer – so weit bis selbst die Frage nach dem “ich” keine klare Antwort mehr liefert.

“I want to wake up now. Can you hear me? I really want to wake up now!”

Aufwachen unmöglich, Traum ist die neue Realität. Die einzige. Ganz, ganz große Kunst.


Wertung
9 von 10 düsteren Noir-Trips


Veröffentlichung
THE ELEMENT OF CRIME ist als Teil der EUROPA TRILOGIE bei Universum Film als DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Kommentar von Lars von Trier, Tòmas Gislason und Tom Elling, Kommentar von Peter Schepelern und Stig Bjørkman, Innenstadt Europa: Über Lars Von Trier (ca 30 Min.), Anekdoten zu “The Element Of Crime” (ca. 20 Min.), Kinotrailer.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

Flattr this!

Ein Gedanke zu „Film: The Element Of Crime – Forbrydelsens Element (1984)“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.