Film: The Book of Eli (2010)


Trailer © by Universal Pictures Germany

Fakten
Jahr: 2010
Genre: Endzeit, Dystopie
Regie: Albert Hughes, Allen Hughes
Drehbuch: Gary Whitta
Besetzung: Denzel Washington, Mila Kunis, Ray Stevenson, Gary Oldman, Tom Waits, Jennifer Beals, Evan Jones, Joe Pingue, Frances de la Tour, Michael Gambon
Kamera: Don Burgess
Musik: Atticus Ross, Leopold Ross, Claudia Sarne
Schritt: Cindy Mollo


Review
Ein wenig zwiegespalten kann einen dieser Film durchaus zurücklassen, weil man auf Anhieb nicht zwingend mit seinen Aussagen klar kommt und es erstmal ein wenig braucht, bis man das Gesehene einigermaßen einordnen kann. Aber dass THE BOOK OF ELI ständig und von allen Seiten die massivste Prügel einstecken muss, kann ich a) nicht begreifen und will es b) nicht unkommentiert akzeptieren.

“Religionspropaganda” heißt es immer wieder. Erste Gegenthese: Wenn BOOK OF ELI Religionspropaganda ist, dann geht jeder zweite Horrorfilm ganz klare als Satanistenpropaganda durch. Propaganda bezeichnet laut unser aller Direkt-Anlaufstelle für schnelle Wissensüberblicke: “einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion zu steuern” (Quelle: Wikipedia unter CC-by-sa-3.0-Lizenz). Das beinhaltet zwangsweise eine manipulative und einseitige Vorgehensweise.

Betrachtet man nun nüchtern was in diesem Film passiert, wird klar dass hier keineswegs einseitig argumentiert wird – darüber gelingt es sogar zu einer zweiten gegenteiligen These gelangen: BOOK OF ELI ist zwar stark GLAUBENS-bejaend, allerdings sogar eher Religionskritisch, denn christliche Propaganda.

Diktator Carnegie über die Bibel: “I need that book, I want that book, I want you to stay but if you make me have to choose I’ll kill you and take that book! […] It’s not a FUCKING BOOK! IT’S A WEAPON! A weapon aimed right at the hearts and minds of the weak and the desperate. It will give us control of them. If we want to rule more than one small, fuckin’ town, we have to have it. People will come from all over, they’ll do exactly what I tell ’em if the words are from the book. It’s happened before and it’ll happen again. All we need is that book.”

Ist das pro-religiös? Pro-Kirche?

Natürlich ist Gary Oldman als Carnegie der Villain dieser Geschichte, doch was er sagt, hat einen wahren Kern, egal aus welchem Munde. Uns sagt das also: Religion bedeutet Macht und diese Macht ist geradezu prädestiniert dazu, in die Hände der Falschen zu fallen – in diesem Fall Menschen wie ihm, die nicht am Wohl ihrer Mitmenschen, sondern nur und ausschließlich an ihrem eigenen interessiert sind, die in Religion ein unterdrückerisches Werkzeug sehen und dieses schamlos ausnutzen werden. Die die Massen unter dem Deckmantel der Gottesfürchtigkeit unterjochen werden. So wie es auf dieser Welt um uns herum vielfach beobachtbar ist. um zu einem sinnvollen Bild der filmisch getroffenen Aussagen zu gelangen, ist es enorm wichtig in BOOK OF ELI zwischen Glauben und Religion zu differenzieren.

Solara: “You’ve been walking for thirty years, right?”
Eli: “Right?”
Solara: “Have you ever thought that maybe you were lost?”
Eli: “No.”

Ich selber hänge ganz sicher keinem religiösen Glauben an, vertrete in meinen Ansichten ganz klar eine rationale Weltsicht, drifte immer mal wieder in milden, partiellen Nihilismus und würde mich, wenn überhaupt, im Anflug leichter Eso-Einschläge, maximal zu agnostischen Aussagen hinreißen lassen, weil ich manchmal denke alles könne sein, nur wissen kann man das sowieso nicht. So komme ich gut durchs Leben, ohne das Bedürfnis nach “göttlichem Geleit” zu verspüren. Doch ich respektiere es, so wenig nachvollziehbar es ist, dass Menschen nun mal glauben, wenn sie meinen es zu müssen. Man kann es als Flucht und Feigheit abzutun – höhere Gewalt für die eigene Misere verantwortlich zu machen ist einfacher, als sich allem immer frontal zu stellen(die Konfrontation mit dem eignen selbst, gehört zu einer unserer schwierigsten Aufgaben) – aber ich sehe eben auch, dass es manchen Menschen den notwendigen Halt gibt – Studien nach, sind Gläubige glücklicher – vielleicht sogar Struktur im Leben? Und ist das so schlecht (solange es sich in Regionen bewegt, die sich lediglich auf das eigene Leben auswirken)?

Ab jetzt SPOILER: Am Ende des Films wird die Bibel zu dem was sie ist und sein sollte: In einer Bibliothek, welche Sammlungen aus Kunst, Wissenschaft, Musik und mehr enthält, wird sie im Segment Religion ein Buch unter vielen. Zwischen Koran, Thora und zahlreichen anderen religiösen Schriften findet sie ihren Platz. Ein Haufen Ideen unter vielen anderen Ideen. Nachdem “Gott” (also der Glaube an sich) den blinden Eli Jahrzehnte lang durch die Wüste geleitet hat, offenbaren sich auch wieder andere Sichtweisen und Ansätze, woraus eine Ganzheit entsteht, die zeigt was für ein kleiner Teil die Bibel und co. in der Summe der Weltsichten sind.

Und zu Eli’s Reise: Ein blinder wird durch göttliche Eingebung 30 Jahre durch die Wüste geleitet und ist nebenbei der beste Schütze, Schwertkämpfer und Martial-Arts-Freak weit und breit – natürlich ist das Unsinn. Aber Unsinn nach dem (bei anderer Begründung) kein Hahn krähen würde, weil wir uns in einem Genre-Film bewegen und die Prämisse genauso fantastisch wie Tote, die wieder zum Leben erwachen, Satans-Bücher in alten Holzhütten, die von den lesenden Besitz ergreifen, Pre-Crime Einheiten die Verbrechen voraussehen und [hier jede x-beliebige Idee aus Science-Fiction, Horror, Fantasy, etc. einfügen] ist. Nach Sichtung des Films bleibt fest zu stellen:  atmosphärisch derart dichten, stimmungs-, ja sogar kunstvoll gefilmten, ebenso passend vertonten und dabei auch noch durchweg spannenden Endzeit-Unsinn, sehe ich mir gerne trotz Bibel gerne an – auch als Kirchenkritiker.


Wertung
7-8 von 10 glühend heißen Endzeit-Wüsten


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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