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Film: Runaway – Spinnen des Todes (1984)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Koch Media GmbH


Fakten
Jahr: 1984
Genre: Science-Fiction, Thriller
Regie: Michael Crichton
Drehbuch: Michael Crichton
Besetzung: Tom Selleck, Cynthia Rhodes, Gene Simmons, Kirstie Alley, Stan Shaw, G.W. Bailey, Chris Mulkey, Joey Cramer
Kamera: John A. Alonzo
Musik: Jerry Goldsmith
Schnitt: Glenn Farr


Review
Mit Schnauzbart, Kettenhemd und coolen Sprüchen bewaffnet geht es den Robotern an den Kragen – in einer nicht allzu fernen Zukunft, geben diese nämlich den Ton an. Haushaltshilfe, Landwirt, Bauarbeiter – die kleine bis große Malocher-Maschinchen sind überall zu Gange und haben die meisten Aufgaben der arbeitenden Bevölkerung längst übernommen. Wie nicht anders zu erwarten: wo hoch-spezialisierte Technik im Spiel ist, wird manipuliert, getrickst und betrogen was das Zeug hält. Leider kann das auch gefährlich werden, denn davon abgesehen, dass die meisten Baureihen bei weitem noch nicht ausgereift genug sind, um problemlos das zu tun, wozu sie laut Hersteller programmiert sind, häufen sich die Vorfälle in denen Blechbüchsen unkontrolliert Amok laufen – einfach mal durchdrehen und die Besitzer brutal abschlachten. Man gut, dass die Polizei bereits eine Sondereinheit abgestellt hat, die sich den Schaltkreisen der Querulanten annimmt, allen voran Alpha-Männchen Tom Selleck, der aufgrund eines leichten (VERTIGO-)Traumas in Selbstmitleid badet, von der Straße weg wollte und schlussendlich in “ruhigere Gefilde” – die Roboter-Einheit – wechselte. An seiner Seite steht seit kurzem die bezaubernd-blonde neue Partnerin Thompson, die nach einem absurdesten Werdegang nun durch Zufall bei der Polizei gelandet ist und planlos von A nach B stolpert.

Was RUNAWAY im Zuge dieses Krieges gegen fix als manipuliert entlarvte Roboter und deren hyper-diabolischen Manipulator bietet, sind vor allem zwei Aspekte. Zum einen eine extrem knuffige Achtziger-Jahre-Ästhetik. Piepende und blinkende Kisten auf Rädern, gerade mal kniehoch, stellen eine lebensbedrohliche Gefahr da, das ganze ist von Jerry Goldsmith’s extrem dominanten, noch extremer in seiner Zeit verankerten Synthesizer-Score untermalt und im Ganzen entsteht ein schön nostalgisches Zeitdokument. Die gebastelten Kulissen und Kostüme sind ohne Frage charmant, im Rahmen der (kleinen) Möglichkeiten des Films wurde sich bemüht das Maximum heraus zu holen und jeder Filmfreund, für den Genrekino auch schon vor der Jahrtausendwende bestand, dürfte darin (auch aufgrund der vielen bekannten Gesichter) seinen Spaß finden. Zudem gibt es Laser – und wir wissen ja alle: außer Lasern braucht man nicht viel! Besonders spaßig gestaltet sich der Abgleich einiger Aspekte, die damals gesellschaftlich bei weitem noch nicht so alltäglich waren, mit der heutigen Realität – so haben zum Beispiel weibliche Polizistinnen als Arbeitskluft einen knallengen Rock, sind auch im Einsatz immer voll geschminkt und chique Pumps ersetzen die üblichen Polizei-Botten. Sehr praktisch, wenn man mal einen durchgedrehten Mais-Ernte-Roboter durchs Kornfeld jagt.

Zum anderen enthält der Film ganz unscheinbar fast visionäre Technik (Kamera-Dronen, die in verlassenen Häusern die Position des Roboters bestimmen, Smartphone-artige Info-Devices, Fernsehen über Wlan, etc.) und spricht durch die Art, wie sie, die Roboter und ihre Manipulation im Plot erscheinen, einige heutzutage mehr als präsente Bedrohungs-Szenarien an. Modernisierung der Technik hat Risiken und Unsicherheiten mit sich gebracht. Umso mehr Technik, umso mehr Paranoia und nie ganz zu wissen ob das Innenleben der Devices die wir alle täglich nutzen, sowohl von Hard- als auch Software-Seite sicher ist, oder gecrackt, gehackt, was auch immer wurde, sind höchst zeitgemäße Gedanken, die in den 30 Jahren seit erschaffen von RUNAWAY sogar noch einiges an Relevanz gewonnen haben. Es schwingt die ständige Angst mit, von böswillig manipulierter Technik umgeben zu sein, die den Betroffenen in den Rücken fällt und eventuell des Rückgrat bricht – weil der böse Terrorist den Killer-Chip eingebaut hat.

Abseits davon gelingt leider weder auf einer erzählerischen Ebene, noch was weitere Inhalte betrifft der große Wurf. Was der spannendste Aspekt des Films hätte sein können, wird wenig ausformuliert und so bleiben tiefschürfende Abhandlungen über das Verhältnis von Mensch und Maschine, sowie die Fragen die sich daraus auftun (Was bedeutet es für uns nach und nach ersetzt zu werden? Wie wird sich unser Alltag bis ins letzte verändern, wenn Roboter zur Tagesordnung gehören?) größtenteils aus – vom dystopischen Potential ganz zu schweigen. Michael Crichton flechtet keine Hard-SciFi um all diese interessanten Thematiken herum, sondern dreht lediglich einen Thriller von der Stange herunter: Ein noch nicht ganz auf Bond-Ausmaß agierender, wahnsinniger Gangster manipuliert Roboter um Geld zu erpressen und räumt mit giftigen Spinnen-Robotern (die dem Film den dümmlichen deutschen Titelzusatz SPINNEN DES TODES bescherten) und Lenkraketen jeden aus dem Weg, der ihn daran hindern will. Punkt. Das vielversprechende Zukunfts-Setting dient nur als Basis für einen recht generischen Cop-Actioner, der zwischenzeitlich mit einigen Durststrecken zu kämpfen hat, weil Tempo und Fluss nicht ganz im Lot sind. Aufgrund des Retro-Charmes ist das bedingt unterhaltsam und ab und zu kommt sogar echte Spannung auf, etliche kleinere Aspekte laufen allerdings unrund und spätestens wenn Selleck als Vater NIE da ist, weil er IMMER arbeitet, seine Frau verstorben und dennoch das Verhältnis zu seinem Sohn die wohl heilste Familienkulisse aller Zeiten bildet, sind das so haarsträubenden Ungereimtheiten, dass Reh-Streichel-Erinnerungen an COMMANDO hoch kommen. So ist RUNAWAY ein netter Film, der leider unheimlich viel verschenkt.


Wertung
5 von 10 giftigen Roboter-Spinnen


Veröffentlichung
RUNAWAY ist bei Koch Media GmbH als DVD und (erstmalig weltweit) als BluRay erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Trailer, Bildergalerie. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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