Film: Insomnia – Schlaflos (2002)


Trailer © by Warner Home Video


Fakten
Jahr: 2002
Genre: Thriller, Drama
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Hillary Seitz
Besetzung: Al Pacino, Robin Williams, Hilary SwankMartin Donovan
Kamera: Wally Pfister
Musik: David Julyan
Schnitt: Dody Dorn


Review
Ein melancholischer, unheilvoller Score setzt ein. Die ersten Bilder, eine karge Eiswüste, so zerfurcht und roh, dass sie fast surreal erscheint, ein Tuch saugt sich voll Blut, ein Mensch verreibt es auf einem Hemd – unscharf, mysteriös. Bereits diese ersten Sekunden in INSOMNIA lassen unmissverständlich durchscheinen, dass sich unheilvolles anbahnt.

Nolan inszeniert hier ein Remake eines norwegischen Thrillers – ein oft unnötiges Prozedere, denn die langsame, kühle nordische Machart wird in US-Remakes zumeist entschärft, wenn nicht sogar verkitscht – aber selbst ohne das Original zu kennen, kann man ohne Bedenken sagen: Er inszeniert es angemessen kühl. Durch die Art seiner Kameraführung, durch das Tempo der Geschichte, durch die Farbgebung und zuletzt (und vielleicht vor allem?) im wahrsten Sinne des Wortes durch die unglaublich imposante Kulisse.

Umringt von unüberblickbaren Bergen, grau in grau, nass, kalt. So sieht der Ort aus, an den es Pacino als Detective Dormer verschlägt – kurz gesagt: die vollkommene Tristesse. ‘There are two kinds of people living in Alaska. Those who were born here, and those who wanted to escape something’. Regen und Nebel sind an der Tagesordnung, ob jedoch überhaupt gerade Tag ist, das vermag der kurzzeitige Gast nicht zu sagen, denn es wird einfach nicht dunkel. Der dichte Nebel ist es auch, der Dormer zum Verhängnis wird und zu einer fatalen Verwechslung führt. Doch war sie das wirklich – eine Verwechslung? Nach 5 Tagen voller schlafloser Nächte weiß Dormer es nicht mehr. Und wir auch nicht, denn man erfährt nicht viel über seinen Charakter, das gezeigte reicht jedoch um zu wissen: dieser Mann hat seine Prinzipien schon lange nach den eigenen Zielen ausgelegt, die Moral frei transformiert. ‘The end justifies the means’.

Pacino und die Art wie er spielt muss man sicher mögen, doch sein leichter Hang zur Übertreibung, die explosiven Ausbrüche, all das trägt hier zu einer absoluten Glanzleistung bei. Den allmählichen Verfall der Sinne bringt er großartig rüber, jeder der schon mal sehr lange wach war wird hier einiges wiedererkennen. Gepaart mit der (für Nolan’sche Verhältnisse) geradezu feinfühligen Stilistik – die kurzen Flashs und Erscheinungen, aufgrund der Übermüdung werden keineswegs inflationär gesetzt und behalten so voll ihre Wirkung – tut sein Spiel sein übriges um die dichte und unklare Atmosphäre zu festigen. Atmosphärisch ist INSOMNIA nämlich allemal und hauptsächlich. Es handelt sich nicht um eine verschachtelte, undurchsichtige Mördersuche, viel mehr ist die Frage nach dem ‘wer’ recht schnell beantwortet und die Inszenierung kippt in ein intensives Ping-Pong Spiel auf psychologischer Ebene. Zwei Männer die ein gefährliches Geheimnis des anderen kennen, jeder darauf bedacht die Situation zu seinem Vorteil zu wandeln, unbemerkt und heil aus der Sache raus zu kommen.

Schade zwar, dass für das Finale doch wieder die üblichen Schalter umgelegt werden, das trübt ein wenig. Ein wenig, denn INSOMNIA ist immer noch ein starker und bedrückender Psycho-Thriller!


Wertung
8 von 10 schlaflosen Nächten


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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4 Gedanken zu „Film: Insomnia – Schlaflos (2002)“

  1. Hehe, bei ‚There are two kinds of people’ dacht’ ich schon du wolltest die glorreichen Halunken zitieren beim Film sind wir einmal mehr gleicher Meinung, wobei ich das Finale ebenfalls als sehr ordentlich in Erinnerung habe …

    1. Ich erinnere mich bei dem vor allem an die Atmosphäre. Nolan hat es ganz gut geschafft, die Titel gebende Schlaflosigkeit in ein Gefühl beim sehen zu überführen!

      1. Definitiv! Die Szenen, in denen Pacino einfach nur schlafen will und sein Zimmer von jeglichem Licht abriegelt haben schon was!

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