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Film: Der große Crash – Margin Call (2011)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Koch Media GmbH


Fakten
Jahr: 2011
Genre: Systemkritik, Drama, Thriller
Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
Besetzung: Zachary Quinto, Stanley Tucci, Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Demi Moore
Kamera: Frank G. DeMarco
Musik: Nathan Larson
Schnitt: Pete Beaudreau


Review
Eröffnungssequenz.
Die Sonne geht im Zeitraffer auf, unser Blick ist auf die glänzenden Riesen aus Glas und Stahl, auf diese Ehrfurcht erregende Skyline des Financial-Distrikts von Manhattan gerichtet. Gedämpfte Stimmen sind zu hören, Telefone, Tastaturen – Office-Kulisse, denn die Zeit tickt, die Märkte sind schon wieder in Bewegung. Diese Wolkenkratzer, voll von Büros in denen Dinge passieren die ich niemals verstehen werde, Dinge von denen Insider nach der großen Krise sagten, dass auch die Verantwortlichen schon lange nicht mehr voll verstanden was da bis ins kleinste passiert, welchen Gesetzen und welcher Logik die surrealen Summen folgen mit denen im Sekundentakt gehandelt wird – und im Endeffekt ist es auch egal welcher Brennstoff gerade verheizt wird, Hauptsache das Feuer brennt und zwar lichterloh – denn Hitze ist Geld und davon wollen die meisten Menschen so viel es geht bevor die Feuerwehr kommt und dem ganzen ein abruptes Ende setzt.

MARGIN CALL begeht nicht den Fehler, der nach der globalen Finanzkrise, der Bankenkrise, der Euro-Krise nahe liegend gewesen wäre, nämlich mit dem Finger zu zeigen und zu rufen: Da sind sie, die bösen Bänker die mit ihrer Gier alles zu Fall gebracht haben. Stattdessen zeigt Regisseur Chandor uns Menschen. Menschen die mit dem Feuer gespielt haben, das Risiko wohl wissentlich ignoriert und am Ende genau das versuchen, was jeder Mensch versuchen würde wenn er mit dem Rücken zum Abgrund steht: Seinen eigenen Arsch retten. Das ist nicht verwerflich, das ist nicht ungewöhnlich, das ist einfach nur menschlich.

Unaufgeregt, still und ziemlich intensiv bekommen wir Einblick in eine Welt, in der andere Konstanten gelten, in der Geld nicht mehr ein Mittel zum Zweck, etwas Notwendiges zur Lebensgestaltung ist, sondern jeglicher Bezug dazu der Vergangenheit angehört. Geld ist zur Zahl geworden, etwas was man jongliert, optimiert, maximiert, das in Form von gebündelten Finanzprodukten in Risikogruppen eingeteilt werden muss, das aber kaum noch realen Charakter hat. Real wird es jedoch schlagartig, denn die Kalkulation, auf der die Geschäftsmodelle seit Jahren basieren gehen nicht länger auf.

“Be the first, be smarter, or cheat.”

In Dimensionen, die gerade noch als Kammerspiel bezeichnet werden können und von einem sehr guten Cast getragen (in dem nicht nur Zugpferd Spacey brilliert, sondern jeder seinen Part exakt auf den Punkt darbietet) bietet MARGIN CALL ein kurzes Zeitfenster für einen Blick in eine fremde Welt – ohne sie zu erklären, ohne sie zu dämonisieren, ohne sie zu werten. Die Wertung bleibt uns überlassen und nachdem das letzte Bisschen Moral gefallen ist (oder nicht? “often, what is right can take on multiple interpretations.”) blieb zumindest bei mir ein bitterer Beigeschmack.

Starkes Regiedebut und überraschend unaufgeregte und wertungsfreie Abhandlung der Finanzkrise.


Wertung
8 von 10 unmoralischen Hinterzimmer-Vereinbarungen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
Kaufen (falls ihr nichts seht, killt euer Ad-Blocker das Amazon-Widget):


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