Film: Dark Shadows (2012)


Trailer © by Warner Home Video


Fakten
Jahr: 2012
Genre: Horror-Komödie
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Seth Grahame-Smith, John August
Besetzung: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Eva Green, Helena Bonham Carter, Jackie Earle Haley, Jonny Lee Miller, Chloë Grace Moretz, Bella Heathcote, Christopher Lee, Alice Cooper
Kamera: Bruno Delbonnel
Musik: Danny Elfman
Schnitt: Chris Lebenzon


Review
Gemessen an Tim Burton’s Jahrzehnte überdauerndem Schaffen, muss man wohl sagen dass die Zutaten für DARK SHADOWS stimmen: Detailreiche, üppig ausgestattete Kulissen und Kostüme, leicht schräge Charaktere, ein wenig übersinnliche Komponente. Und doch, der Film will einfach nicht so recht schmecken, denn es fehlt die Würze und (ich mag es nicht, das so zu sagen, doch empfand es genau so) einfach ein wenig das Herz.

Während Burton’s frühere Werke allesamt (bzw. größtenteils) ebenfalls vor obigen Zutaten strotzten, trugen sie aber zumeist noch das gewisse, unerklärbare Etwas in sich. Eine Art Magie, die den schönen Bildern den notwendigen und unheimlich mitreißenden i-Punkt aufsetzten. Diese Magie fehlt hier. DARK SHADOWS (über dessen Ursprung in einer älteren TV-Serie ich gar nichts wusste) wirkt beinahe wie eine runtergedrehte Auftragsarbeit – wie das Abarbeiten einer Burton-Checklist um zum gewünschten Ergebnis zu kommen

  • Johnny Depp [x]
  • Helena Bonham Carter [x]
  • ein wenig Gruft und Schaurigkeit [x]
  • ein wenig Schrägheit und überdrehtes Overacting [x]
  • und so weiter…

Zusätzlich zur (rein subjektiv) fehlenden Magie ist DARK SHADOWS, ganz untypisch für einen Regisseur von Burton’s Erfahrung und Klasse, zudem recht holperig, zeitweise sogar plump inszeniert. Das beginnt bereits mit der unbeholfenen Einführung, in der uns Vampir Barnabas erst einmal minutenlang aus dem Off erzählen muss worum es eigentlich geht. Wenig subtil, clever erst recht nicht. Schon in diesen ersten Minuten kommt dieerwünschte, durch theatralische Streicher recht aufdringlich vorgetragene Dramatik nicht recht auf und so geht es dann auch weiter. Ohne Frage beinhaltet der Film großartige Szenen, starke Dialoge und einige Momente von überraschender Situationskomik, auch das anfängliche Spiel mit Barnabas’ Verblüfftheit über die seltsame neue Welt sorgt für einige gute Lacher. Doch zwischen diesen starken Momenten klebt viel zähe Füllmasse, selbst die Dialoge sind nicht durchweg gut, sondern wirken häufig nicht wie aus einem Guss und von einem Tim Burton erwarte man doch einfach mehr, als eine Ansammlung mittelguter Szenen mit viel Leerlauf dazwischen.

Besonders schade ist dies, da das (fantastische) Ensemble sogar durchweg starke Leistungen abliefert – Eva Green z.B. tritt ihre innerliches Acting-Vehikel mal locker auf 8000 Umdrehungen pro Minute hoch und erfreut sich mit wahnsinnigem Lachen am schwarzen Qualm aus dem Motorraum. Das macht Spaß, Nic Cage lässt grüßen. Doch all die fähigen Darsteller können sich einen Wolf spielen – leider geht das ein wenig unter, denn in keiner Sekunde kommt das Gefühl auf, Burton wäre interessiert daran sich selbst und seine Figuren-Stereotypen mal neu zu erfinden, zu überraschen, ganz plötzlich wieder voll da zu sein. Um wieder auf obige Zutaten zu kommen: Das alles haben wir (von Burton) irgendwie schon mal gesehen – wenn man ehrlich ist sogar x-fach – hier werden lediglich abgestandene Konserven aufgekocht und es fehlt die Frische.

Bei ALICE IN WONDERLAND konnte ich die katastrophale Rezeption nicht so recht verstehen (EDIT: was sich nach einem Rewatch maßgeblich änderte), DARK SHADOWS hingegen kommt meiner Meinung nach sogar noch ein wenig zu gut weg. Schade, denn die Indizien, das ein ehemaliges Genie sich in endloser Selbstkopie verrennt, häufen sich. Schluchz… Aber vielleicht biegt er das ja mit FRANKENWEENIE wieder gerade, man wird sehen.


Wertung
Gut gemeinte 5 von 10 stumpfen Vampir-Zähnen


Veröffentlichung
DARK SHADOWS ist bei Warner Home Video als BluRay und DVD erschienen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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