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Roman: Jeff VanderMeer – Southern Reach Trilogy, Part II – Authority (2015)

Weiter geht es mit VanderMeer’s AREA X-Reihe und ich muss eine kleine Warnung aussprechen: ohne Minor-Spoilers zum ersten Teil ANNIHILATION (hier mein Review) wird eine sinnvolle Besprechung des Nachfolgers nicht möglich sein, da das ganze Setting logischerweise auf wichtigen Informationen (und Wendungen) aus eben diesem aufbaut. Kennen wir ja von zweiten Teilen, Staffeln, etc. Sei es drum, viel Spaß mit dem Review!


Eckdaten
Autor(en): Jeff VanderMeer
Titel: Area X – The Southern Reach Trilogy, Part II: Authority
Erscheinungsjahr: 2015
Entstehungsland: USA
Genre: Science-Fiction, Mystery, Horror
Umfang: 230 Seiten
Gelesen: März-April 2017, Englisch


Plot
Control ist ein „Fixer“, eine Art Unternehmensberater, welcher in maroden Zweigen einer dubiosen Behörde eingesetzt wird, um diese wieder zum Laufen zu bringen. Sein jüngster Einsatz bringt ihn in die „Southern Reach“, jenen Zweig des Unternehmens, der mit der Erforschung der geheimnisvollen AREA X beauftragt ist. Vor Ort angekommen findet er Zustände vor, die durch paranoiden Führungsstil und anders tickende Uhren in einer seltsamen Sackgasse stecken, primär schlagen ihm zudem Feindschaft und Ablehnung entgegen. Nach und nach erschließt sich Control durch Interviews mit den jüngst aufgetauchten Überlebenden der zwölften Expedition und Sichtung von Tonnen an Aufzeichnungen ein bizarres Gesamtbild.


Review
Raus aus der AREA X, rein in die SOUTHERN REACH – mit dem Wechsel des Protagonisten gelingt Jeff VanderMeer ein brillanter Kunstgriff: Einerseits umgeht er galant die üblichen, Fortsetzungen fast schon inhärenten Fallstricke – so stark und atmosphärisch ANNIHILATION auch war (und so unmöglich es ist über einen nicht existenten Roman zu sinnieren) erscheint in Anbetracht der häufigen „mehr vom gleichen“-Herangehensweise zweiter Teile der eingeschlagene Weg dieses Nachfolgers als der deutlich wertvollere. Natürlich hätte VanderMeer auch eine hypothetische dreizehnte Expedition in die AREA X schicken können. Hat er aber nicht. Zum Glück.

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Horrorctober 2016, Film #1: In Einer Kleinen Stadt – Needful Things (1993)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by EuroVideo Medien GmbH


Es ist wieder so weit: der #horrorctober hat zum vierten (bzw. für mich zum dritten) Mal gerufen. Ghost of Horrorctober heißt dieses Mal die Devise. Was das genau ist und was das alles soll erfahrt ihr auf dieser Info-Seite (die auch alle Links zu meinen Filmbesprechungen im Rahmen des „Events“ enthält). Wer alles mitmacht, kann man auf dieser Info-Seite der CineCouch nachlesen. Also haut die Geister weg, packt die Kreissäge aus und lasst euch nicht mit frechen Zombies ein – fröhliches Gruseln!


Fakten
Jahr: 1993
Genre: Horror, Thriller
Regie: Fraser C. Heston
Drehbuch: Stephen King (Vorlage), W.D. Richter
Besetzung: Max von Sydow, Ed Harris, Bonnie BedeliaAmanda PlummerJ.T. WalshRay McKinnonDuncan FraserDon S. Davis
Kamera: Tony Westman
Musik: Patrick Doyle
Schnitt: Rob Kobrin


Review
Die qualitative Spanne von Stephen King-Adaptionen deckt von unsäglichem Schrott bis zu Meisterwerken alles ab – da die Mehrzahl der Filme mit Pauken und Trompeten scheitert, bzw. gerade so am Durchschnitt kratzt – man bedenke, dass nicht mal ein David Cronenberg in seinen besten Jahren in üblicher Qualität lieferte, als er sich an King versuchte – und die wenigen wirklich gelungenen Vertreter (wie SHINING) meist recht weit von der Vorlage entfernt sind, stellt sich allerdings die Frage, ob das Gros seiner Stoffe überhaupt Film-tauglich ist? Oder das, was King-Romane groß macht, schlichtweg nicht medial transferierbar ist? Vielleicht nutze ich die nächsten Jahre für einen tief masochistischen Selbstversuch und ergründe diese Frage tiefer. Wir werden sehen.

Nun aber zu NEEDFUL THINGS. Auch ein Film, der an den üblichen Symptomen krankt, die viele seiner Kollegen zu Fall bringen, denn so sehr er auch versucht Motive zu replizieren, wirkt es doch, als hätte er Zauber und Mysterien der Vorlage nicht bis ins Letzte verstanden. Die Inszenierung enthüllt viel zu früh entscheidende Erkenntnisse aus dem Roman, die im dritten Akt wegweisend die Richtung änderten und setzt anstatt auf garstigen, psychologischen Horror, der das Dunkle in uns zu Tage fördert, um trügerische Kleinstadt-Idylle als Brutkasten der Gewalt zu entlarven, eher auf wütende Alpha-Brüllaffen und Krawall.  Horrorctober 2016, Film #1: In Einer Kleinen Stadt – Needful Things (1993) weiterlesen

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Film: Cold Fish – Tsumetai Nettaigyo (2010)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Rapid Eye Movies


Fakten
Jahr: 2010
Genre: Psychothriller, Splatter, Drama, Gesellschaftskritik
Regie: Sion Sono
Drehbuch: Sion Sono, Yoshiki Takahashi
Besetzung: Mitsuru Fukikoshi, Denden, Asuka Kurosawa, Megumi Kagurazaka, Hikari Kajiwara, Tetsu Watanabe, Tarô Suwa
Kamera: Shinya Kimura
Musik: Tomohide Harada
Schnitt: Jun’ichi Itô


Review
Alle Regler auf Anschlag.
Gaspedal durchtreten.
Kesseldruck kurz vor Explosion.
Einsteigen, wir verlassen jetzt den Bahnhof.
Von 0 auf 100 in Sekundenbruchteilen.
Letzte Warnung. Einsteigen die Türen schließen selbst…

RUMMS!

Filmemacher Shion Sono steigt nicht in selbsttätig schließende Türen, sondern reisst sie wild kreischend aus den Angeln, verprügelt damit alle umstehenden Passanten, wirft mit Wasserbomben voll Wahnsinn um sich und stoppt den Zug per Dynamit, um den gesamten Bahnhof in ein rauchendes Loch zu verwandeln. Wobei… Dynamit ist vielleicht etwas zu konventionell. Eher eine von ihm, speziell zur Auslöschung alles Normalen designte ABC-Bombe: Qualm, Panik, Hysterie. KrZZ-BrscH-KKZZZZZZ (Geräusch von einer wild auf der Schallplatte hin und her kratzenden Nadel denken) – Overkill!

Alles in COLD FISH ist too much.
Way over the top.
Völlig durch.
Toppt den stattlichen Irrsin des voran gegangenen Meisterwerks LOVE EXPOSURE um Längen.

Das geht beim Acting los – Fischverkäufer/Psychokiller Murata, dem sein Leben irgendwann über den Kopf wächst, was ihn zu drastischen Maßnahmen greifen lässt, schreit. Immer. Alles was aus seinem Munde kommt. Er lacht wahnsinnig und brüllt was das Zeug hält. Jede Anweisung, jeden Witz, jedes beiläufige Wort. Seine Frau Aiko schreit zwar etwas weniger, erinnert aber vom Madness-Faktor ungefähr an „Baby“ aus HOUSE OF 1000 CORPSES. Quietschig gackernd, besessen von was-wissen-wir-schon und mit großer Freude an tiefroten Körperflüssigkeiten. Film: Cold Fish – Tsumetai Nettaigyo (2010) weiterlesen

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