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Film: Tokyo Tribe (2015)


Tokyo Tribe (IMDb) – Groteske, Musical, Japan, 2015 – Regie: Sion Sono, Skript: Sion Sono, Kamera: Daisuke Sôma, Musik: B.C.D.M.G., Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Rapid Eye Movies


Review
Tödliche Haarverlängerungen, ein vierstündiges Splatter-Liebes-Epos mit Martial-Arts-Hößchenfotografie und nun ein abgedreht-buntes Gangsta-Rap-Musical, das sich wie die Smartphone-Game-Version der ENTER-THE-VOID-Variante von THE WARRIORS anfühlt – immer wenn man denkt Sono Sion kann keinen mehr drauf setzen, tut er es einfach. Wer zelebrierten Exzess zum vielleicht einzigen roten Faden des eigenen Werks erkoren hat, trumpft eben in den unerwartetsten Momenten durch ein seltenes As im Ärmel auf.

Lässt man sich den Inhalt von TOKYO TRIBE genüßlich auf der Zunge zergehen – dauer-rappende Gangs in Tokyo, die mit Fäusten und Punchlines in einer blinkend-verzerrten Neon-Variante der Stadt um Territorien battlen, sich aber dann zusammenschließen um den fiesen, kleine Kinder verspeisenden Oberboss vom Thron zu schmeißen – so steht eigentlich nur eines fest: zu erahnen, was in diesem Konglomerat der weirden Ideen an überbordenden Motiven auf den Zuschauer wartet, gestaltet sich unmöglich. Zu ungewöhnlich, zu schräg und (ganz in Tradition des Regisseurs) eben auch zu einzigartig. Aus eben dieser Unberechenbarkeit generierte Sono oft einen nicht unerheblichen Teil seiner Schlagkraft, die Konsequenz mit der er Dinge einfach tat, statt sich vorsichtig heranzutasten, zeichnet sein Werk von jeher aus.  Film: Tokyo Tribe (2015) weiterlesen

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Video: Hyper-Reality – Ein Blick in die (mögliche) VR-Zukunft (2016)

Titelbild © by Keiichi Matsuda & Hyper-Reality

HYPER-REALITY from Keiichi Matsuda on Vimeo.


Dieses Video habe ich vor einigen Tagen im Netz entdeckt (via Nerddrugs) und bin dadurch in einen sehr nachdenklichen Modus verfallen. Einst als Kickstarter Projekt gestartet, plante Kiichi schon vor einigen Jahren seine Hyper-Realität – einen hypothetischen Blick, in eine mögliche Zukunft. Konkret ist das eine, in der wir nur noch mit VR-Brillen herumlaufen, die Gamifizierung (und App-isierung) bis zu einer vollkommenen Dominanz unseres Alltags fortgeschritten ist und das ganze Leben zu einem buntes Durcheinander aus Credits sammeln, Bewertungen und Illusionen geworden ist.

Nun kann man das natürlich schnell als simple Spielerei abtun und in die Abwehrhaltung gehen: „Ja, virtuelle Realitäten entstehen gerade, aber so schlimm wird es doch sicher niemals werden – or VR wurde ja schon immer gewarnt und nix davon ist eingetreten!“

Aber ist das so? Genau an dieser Frage grübele ich jetzt eine Weile herum, weil HYPER-REALITY sie klug stellt – wie viel Wahrheit steckt hier eigentlich drin? Wann sollte man anfangen zu überlegen die Handbremse zu ziehen? Wie sehr hat der Grafik-Artist einfach nur die Realität weitergedacht, aktuelle Strömungen beobachtet und nur die nötigsten Schlüsse daraus ziehen müssen?   Video: Hyper-Reality – Ein Blick in die (mögliche) VR-Zukunft (2016) weiterlesen

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Film: X-Men – Apocalypse (2016)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by 20th Century Fox


Fakten
Jahr: 2016
Genre: Superhelden, Action, Drama
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Bryan SingerSimon KinbergMichael DoughertyDan Harris
Besetzung: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer LawrenceNicholas HoultOscar IsaacRose ByrneEvan PetersSophie TurnerTye SheridanLucas TillKodi Smit-McPheeBen HardyAlexandra ShippOlivia Munn
Kamera: Newton Thomas Sigel
Musik: John Ottman
Schnitt: Michael Louis Hill


Review
„Let’s agree that the third one is always the worst“

Nimmt man FIRST CLASS als Neuanfang, und DAYS OF FUTURE PAST als zugehöriges Sequel, die X-Men in verjüngter Besetzung also als neue Trilogie, dann beschreibt dieser Satz von Jean Grey auf einer wunderbar griffigen meta-Ebene den Film in dem er artikuliert wird. Denn in „Tränen kullern – The Movie“ läuft wenig wirklich rund und vieles sogar ziemlich daneben. Zwar greift nach den kläglichen Versuchen in BATMAN V SUPERMAN und den mäßig erfolgreichen Onelinern in CIVIL WAR nun ENDLICH mal wieder der Humor in einem Superheldenfilm, doch fehlen auf einer ganz basalen Ebene eine mitreißende Grunddynamik und erzählerischer Rhythmus. APOCALYPSE, sowohl der Film als ganzes, wie auch der titelgebende Villain, ist schlichtweg viel zu langsam, zu zäh und behäbig in seiner Dramaturgie. Das Material hätte vielleicht keinen grandiosen, mindestens aber einen okayen Film hergegeben, doch, für meinen Geschmack, wurde der Film im Schnitt versaut. Aber so richtig.

Singer springt ständig zwischen zig Figuren hin und her, die an den verschiedensten Schauplätzen die verschiedensten Ziele verfolgen, nimmt (teils toll inszenierter) Emotionalität die Wucht, indem er einfach weg blendet und zerstört sich in einer Tour selbst den aufkommenden Spannungsbogen – jedes Mal aufs Neue, wenn er wieder und wieder (und wieder) zu Apocalypse, seinen diabolischen Gottesplänen und der Formation seiner kleinen Gefolgschaft schneidet. Szenen die so lang(sam) vor sich hin schnarchen, dass sie zum Nickerchen einladen. Denn der mehrere tausend Jahre dauernde Schlaf des alten Ägypters hat sich etwas zu sehr auf seine Art und Weise ausgewirkt – ganz wach wirkt Isaac, bzw. seine Figur nämlich nie – und obwohl direkt auf höchst drastische Art und Weise etabliert wird, dass dieser reaktionäre Oldskooler keine Gefangenen macht, wirkt er nie wirklich bedrohlich. Leider. Recht häufig sogar etwas unfreiwillig komisch. Wie ein Opa, der mal Kung-Fu konnte, aber nun gebrechlich seinen Rollator durch eine Welt schiebt, die er nicht mehr so ganz versteht und den ihn betreuenden Zivis (hier Angel, Storm und Psylocke) mit pathetischen Reden von den guten alten Zeiten in den Ohren liegt.  Film: X-Men – Apocalypse (2016) weiterlesen

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Film: The Lego Movie (2014)


Trailer © by Warner Home Video


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Action, Mashup
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Drehbuch: Phil Lord, Christopher Miller
Sprecher: Chris Pratt, Will Ferrell, Elizabeth BanksWill ArnettAlison BrieMorgan FreemanJonah HillDave FrancoLiam NeesonCobie SmuldersChanning Tatum
Kamera: Pablo Plaisted
Musik: Mark Mothersbaugh
Schnitt: David BurrowsChris McKay


Review
Als vor einigen Jahren in der Musik das Genre „Mashup“ aufkam, waren alle hin und weg. Ich nicht. Das hochfrequente durcheinander-würfeln unzähliger Fragmente und Versatzstücke einzelner Tunes und Titel ging mir, im Gegenteil, sogar größtenteils ziemlich auf die Nerven. Sicher fanden die jeweiligen DJs (bzw. Mashup-Artists) auch mal irrsinnige Kombinationen, die in überaus geglückten Live-Remixen endeten, wozu ohne Frage ein Gespür für Musik, einiges an Kreativität und solide Mixing-Skills die Grundlage bildeten, doch in Summe war das alles für mich vor allem eins: Reiz- und Rauschüberflutung. Und in 90 Prozent der Fälle mag ich keine Reizüberflutung. Mein Gehirn läuft, das merke ich im Vergleich zu vielen anderen Filmfans, anscheinend recht schnell über – als Schutzmechanismus fliehe ich gedanklich weg vom audiovisuellen Krach, in geordnetere, ruhigere Gefilde, die mich von diesem Maximalinput abschotten, weshalb mich unter anderem sogar handwerklich gute Actionfilme schnell verlieren – sofern sie denn nonstop Action servieren (wir erinnern uns nur ungern an das FURY ROAD Debakel).  Film: The Lego Movie (2014) weiterlesen

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