Film: Magic In The Moonlight (2014)


Trailer © by Warner Home Video


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Romanze, Feelgood
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Besetzung: Colin Firth, Emma Stone, Marcia Gay Harden, Simon McBurney, Hamish Linklater, Jacki Weaver, Eileen Atkins
Kamera: Darius Khondji
Musik: Verschiedene
Schnitt: Alisa Lepselter


Review
Immer wieder lese ich Aussagen wie: „Woody’s Spätwerk, das ist einfach nichts“, „der Mann hat vollkommen seinen Biss verloren“, „viel zu leichte feel-good-Kost“, etc. Dazu kann ich nur sagen: „Blendet man BLUE JASMINE und MATCH POINT aus, ist das teilweise richtig, den Punkt kriegen die Kritiker, aber was soll daran denn eigentlich so negativ sein? Kurz: Wo ist das Problem?“.

Woody Allen macht jetzt seit über 50 Jahren Filme, hat reine Albernheiten, Slapstick-Komödien und Satiren gedreht, entwickelte sich über schwere, bittere Charakterdramen hin zu Werken, die geradezu eine meta-Sicht auf das eigene Schaffen, die Stellung im Leben und die Wirkungsweise des Künstlers entwickelt hatten. Und nun, mit fast 80 Jahren, hat Woody eine neue Phase erreicht und hat ein paar nostalgisch-schwärmerische Filme gedreht, die sich, unter bewusster Ausblendung von Seelenqual und menschlichen Schlechtigkeiten, ohne Abstriche mit den, in seiner Darstellung ohne Frage romantisch-idealisierten, „schönen Seiten des Lebens“ befassen. Ich kann daran wahrlich nichts schlechtes erkennen, denn die zynischen Filme, die schweren Filme, die meta-Filme, all das ist doch nicht weg, nur weil Woody sich verändert hat – soll er denn ewig das gleiche machen (wer hier mit ja antwortet, kann sich ruhig nochmal STARDUST MEMORIES ansehen)?

Nach MIDNIGHT IN PARIS, TO ROME WITH LOVE und wie sie alle hießen, ist nun auch MAGIC IN THE MOONLIGHT ein sonnendurchfluteter, angenehm nostalgischer Film für Träumer geworden. In den goldenen 20ern (ob diese Epoche tatsächlich die schönste war, können wohl eher die Streithähne aus bereits erwähntem Paris-Film beurteilen) haben Zauberkünstler und Medien eine Hoch-Zeit: Überall zersägt man Frauen und lässt Elefanten verschwinden, kontaktiert tote Verwandte, oder engagiert die besten der einen Zunft, um die schlechtesten der anderen bloß zustellen. So geschieht es zumindest Colin Firth als Stanley – größter aller Illusionisten, Furcht aller falschen Medien – denn was zu enttarnen geht, als Hochstapler(in) zu überführen, das überführt er. Sicher. Sicher? Denn als er zur Entlarvung von Sophie, einer hübschen, zurückhaltenden, die Toten kontaktierenden jungen Frau gerufen wird, will das aufzeigen ihrer schamlosen Tricks so gar nicht gelingen.

Allen verlagert diese, wie so oft in seinem Werk, höchst simple Handlung an die golden schimmernde Côte d’Azur, verpasst den Damen schöne Kostüme, den Herren klassische Anzüge und entführt uns in eine Welt der Landhaus-Villen und Oldtimer. Und verdammt, es funktioniert – mit wenigen Mitteln erschafft der Altmeister ein derart stringente Filmwelt, dass seine wunderschöne Zeitreise nicht eine Sekunde lang anzuzweifeln wäre, weil man sofort ein Teil von ihr ist. Was Allen hier zeigt, ist eine denkbare Version des „damals“, weil es sich einfach wie „damals“ anfühlt. Und zwar auch aufgrund der sympathischen, in Stanleys Fall angenehm verschrobenen Figuren, welche noch weit vor den Kulissen oder der Musik, durch ihren kaum in passende Worte zu fassenden Charme ein Lächeln auf unsere Wangen zaubern. Woody fordert uns auf: Einfach mal zurück lehnen, das verführerische blaue Meer bei einer Fahrt an der Küste auf das, im grauen norddeutschen Herbst von nagendem Fernweh gebeutelte, Auge einwirken lassen, entspannen und sich der Magie hingeben. Verzaubern lassen. Der positive Swing-Soundtrack dudelt vor sich hin, zwischen den Figuren entwickeln sich zaghafte Gefühle, die Seancen und Zaubershows sind längst vergessen, hier entwickelt sich eine ganz andere Magie. MAGIC IN THE MOONLIGHT. Selten war ein Filmtitel treffender gewählt.

Was unterm Strich, nachdem einige Irrungen und Wirrungen durchfahren, falsche Entscheidungen getroffen und durch richtige Schritte wieder ausgebügelt sind, als Lehrstunde für unseren Protagonisten heraus springt, schließt in gewisser Weise doch wieder einen Kreis zu Woody selbst und seinem Werk: „Genieß einfach mal. Lass laufen. Hör auf alles steuern und regulieren zu wollen, sondern mach die Augen auf, bevor das Leben vorbeigezogen ist.“. Vielleicht wollte und will Woody in den letzten Jahren genau das tun? Auf seine alten Tage einfach nochmal die Augen aufmachen, den Ballast abwerfen und befreit ein bisschen Leben? Wenn ja, dann hat er mit diesem Film mal wieder geschafft, sein Innerstes nach Außen zu kehren!


Wertung
8 von 10 geheimnisvollen Zaubertricks


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
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