Horrorctober 2014, Film #7: Insidious (2010)


Trailer © by Universal Pictures Germany GmbH


Es ist #horrorctober!
Was das ist und wer da mit macht, könnt ihr auf dieser Sammelseite der Cinecouch nachlesen. Wer meinen textuellen Ergüssen zum dunkelsten aller Genres regelmäßig beiwohnen will, kann natürlich diesen Blog hier, aber auch gern meiner Letterboxd-Liste, oder mir auf Twitter folgen. Nun zum Film…


Fakten
Jahr: 2010
Genre: Horror, Haunted House
Regie: James Wan
Drehbuch: Leigh Whannell
Besetzung: Patrick Wilson, Rose Byrne, Ty Simpkins, Lin Shaye, Leigh Whannell, Angus Sampson, Barbara Hershey, Andrew Astor, Joseph Bishara
Kamera: John R. Leonetti, David M. Brewer
Musik: Joseph Bishara
Schnitt: Kirk M. Morri, James Wan


Review
Im Zuge des aktuellen „Horrorctober“-Events, ist die Dichte an Horror-Sichtungen im Vergleich zu meinem sonstigen Guck-Verhalten um mehrere hundert Prozent angestiegen. Um die geplanten 13 Filme in einem Monat zu schaffen, wird jede zu ergreifende Möglichkeit genutzt, um Klassiker, neuere Filme, bekannte, unbekannte, Originale und Remakes zu sichten. Doch obwohl die ersten sechs Filmen meiner Auswahl bereits verschiedene Genres und Epochen abdeckten, hat es genau bis zur Halbzeit gedauert, um Klick zu machen. Klick? Klick, im Sinne einer spontanen Erkenntnis in Bezug auf den eigenen Geschmack.

Das 2010er Werk INSIDIOUS des Genre-Regisseurs James Wan, macht meiner Auffassung eines gelungenen Horror-Films nach so vieles richtig, dass mir urplötzlich völlig klar erschien, warum mir eben genau dieser Film so unheimlich gut gefällt, viele andere, teils hochgelobte Horrorstreifen jedoch das kalte anti-Grausen in mir auslös(t)en. Ich habe nun erkannt, dass es in dieser Art von Film, der Marke die den Zuschauer die ganze Zeit latent angespannt und gebannt dem Geschehen folgen lässt, zwei maßgebliche Aspekte sind, die Horror/Grusel/Spannung „erlebbar“ machen – Atmosphäre und Ungewissheit. Und das eine bedingt das andere, diese zwei Aspekte sind elementar miteinander verwoben.

Zur Atmosphäre: Ich liebe Langsamkeit in dieser Art von Film. Leere Gebäude, ein kaum merkliches Gleiten der Kamera durch finstere Flure, genug Raum – akustisch und visuell – um die kleinsten Details der gezeigten Welt wahr zu nehmen. Das Rascheln einer Gardine, das Knarren einer Diele, das Atmen einer Person im Nebenraum. Dazu düsteres Licht, was gerade genug Sicht zulässt, um leichte Zweifel am Gesehenen zu schüren. Und dazu eine Geschichte, die Schritt für Schritt ihren Lauf nimmt. Ich brauche, nein, ich MÖCHTE kein stark anziehendes Tempo im Verlauf des Films, was in einem fulminanten Finale aus Chaos, Kreischen, Lärm und schnellen Schnitten endet. Ich möchte keinen pompös auftragenden Score, der mir ständig die Größe und Bombastik der Bedrohung unter die Nase reibt – subtile Untermalung, nicht überbordende Füllung mit Klang, heißt hier das Stichwort. Überhaupt muss die unangenehme Komponente subtil unter dem Gezeigten versteckt sein! Ein Schock-Effekt hier und da ist nicht das Problem, doch sollte der Schwerpunkt ganz klar auf tighter Suspense liegen.

Und aus diesen Erwartungen an eine reduzierte, subtile Atmosphäre heraus, lässt sich der zweite Punkt ableiten: In besagter Atmosphäre muss so gut wie immer eine alles umfassende Ungewissheit schlummern. Du weißt, da ist etwas im Argen, jedoch begreift niemand, auch der Zuschauer nicht, was es ist. Es geht ganz klar eine Bedrohung von etwas aus, jedoch bleibt im Verborgenen wer überhaupt als Quelle des Bösen in Frage käme (das wurde z.B. perfekt in THE THING umgesetzt, allgemein ist Carpenter’s Version des Horrors atmosphärisch sehr intensiv). Ich möchte keinen Wissensvorspung vor den Protagonisten, der mir verrät, dass hier der Geist von Oma Erna im Hause ihr Unwesen treibt. Oder ein Indianerfriedhof unter dem Gebäude verantwortlich für all den Spuk ist. Genauso wenig möchte ich Dämonen, Fantasie-Wesen, oder ähnliches in Komplettaufnahme dabei zusehen, wie sie die Figuren des Films in den Keller, oder auf den Dachboden jagen. Das interessiert mich nicht, begeistert mich nicht und holt mich emotional in keinster Weise ab. Ebenso wenig tun dies laute Angriffe fieser Monster und kreischende Ladies in Hot Pants, die nach und nach abgeschlachtet werden.

Die Wirkung einer Horrorstory ist umso größer, je näher die seltsamen Phänomene an der Wirklichkeit (und somit auch an einer „natürlichen“ Erklärung) sind. Es reicht das Gefühl einer minimalen Realitäts-Entrücktheit, um die Nackenhaare aufzustellen. Das mögen viele Zuschauer anders sehen, nicht ohne Grund werden Filme wie dieser hier – oder z.B. SINISTER und THE INNKEEPERS – von echten Horrorfans reihenweise als „langweilig“ und öde abgestraft – doch für mich funktioniert genau diese Art des Spannungsaufbaus perfekt. Solang ein Film einigermaßen am Boden bleibt, bin ich recht leicht zu fesseln, sobald er mir Monster, Dämonen oder Geister vorsetzt (je offensichtlicher, desto schlimmer), muss er SEHR viel anderes richtig machen, um mich bei der Stange zu halten – in der Regel verlieren mich die Filme dann jedoch recht schnell. Lieber als eine übernatürlich-abgedrehte, hätte ich in vielen Vertretern dieser Zunft am liebsten gar keine Auflösung erhalten, nur eine grobe Richtung, aber keinerlei Klarheit oder Ausformulierung – Suspense-Horror ist somit das wahrscheinlich einzige Genre, welches bereits über den Selbstzweck eine absolut legitime Daseinsberechtigung erhält! Spannung der Spannung willen und wenn mehr drin steckt, ist das natürlich lobenswert, jedoch ist diese Tiefe kein notwendiges Kriterium für einen guten Film.

Das klang nun alles sehr allgemein, jedoch sind dies alles mehr oder weniger Qualitäten, die in INSIDIOUS zu finden sind. Zwar wird auch dieser Film irgendwann übernatürlich, rein von den Eckdaten liegt sogar nicht viel mehr als ein 08/15-Spukhaus-Film vor, aber er entspricht dennoch absolut den oben lang breit ausgeführten Charakteristika. Eine (immense) Anspannung wird über dichte, audiovisuell überragend in Szene gesetzte Atmosphäre generiert, man bekommt die verschiedenen Quellen der schwammig-ungewiss gehaltenen Bedrohung zwar zu Augen, jedoch immer nur für kurze, auch ohne Paukenschlag sehr effektiv-schreckhafte Momente und selbst im Finale zieht die Spannung um ein Vielfaches, das Tempo jedoch in einem moderaten Rahmen an, der sich in keinster Weise mit der ersten Stunde diese kleinen Grusel-Einods beißt. Zudem beweist James Wan hier zwei Dinge: Horrorfilme funktionieren auch, obwohl sich nicht alle beteiligten Figuren maximal dämlich verhalten und Horrorfilme funktionieren nur, wenn sich die Macher der essentiellen Macht des Klanges bewusst sind – Bild und Ton müssen in perfekter Symbiose vorliegen (und das tun sie hier).

Audiovisuell pervers guter Grusel-Streifen, der ohne viel Blut und billige Schockeffekte auskommt. In meinem (zugegebenermaßen überschaubaren) Horror-Horizont einer der gelungensten Genre-Vertreter überhaupt.


Wertung
8 von 10 transzendierten Geisteszuständen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
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2 Gedanken zu „Horrorctober 2014, Film #7: Insidious (2010)“

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