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Horrorctober 2014, Film #13: (Dark) Society (1989)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Capelight Pictures


Fakten
Jahr: 1989
Genre: Horror, Mindgame, Splatter/Gore
Regie: Brian Yuzna
Drehbuch: Rick Fry, Woody Keith
Besetzung: Billy Warlock, Devin DeVasquez, Evan Richards, Ben Meyerson, Patrice Jennings, Heidi Kozak, Ben Slack, Charles Lucia, Concetta D’Agnese, David Wiley
Kamera: Rick Fichter
Musik: Mark Ryder
Schnitt: Peter Teschner


Review
SOCIETY von Brian Yuzna ist einer dieser Filme, die eigentlich viel zu irre sind, um sie nach einmaligem Anschauen schon richtig einzuordnen, oder gar mit einem Text zu würdigen. Doch sei es drum, einen Versuch diesen außerordentlich atmosphärischen Wahnsinn in ein paar Sätze zu pressen ist es wert.

“You’ll make a wonderful contribution to society“

Bill ist der Sohn einer wohlhabenden Oberschichts-Familie in Los Angeles. Er wohnt in einer Villa, fährt einen Jeep und hat auch sonst alles was man zum Leben braucht, allem voran eine großartige Frisur! Selbstverständlich ist er an seiner Highschool ein angesehener Sportler und das As im Debatierclub. Jeder liebt ihn, selbst das strohdumme Chefblondchen aus dem Cheerleader-Team ist sein und die Eltern haben große Pläne für seine Zukunft in der „Gesellschaft“. Doch irgendetwas undefinierbares in seiner Realität stimmt nicht. Dinge erscheinen anders als sie sollten, seine Wahrnehmung spielt im Streiche, Begegnungen mit seiner Schwester oder seinen Eltern sind von einem kaum in Worte zu fassenden, bedrohlichen Unterton durchzogen. Latente Inzest liegt in der Luft, Formen ergeben keinen Sinn, die Welt um ihn herum scheint einer dunklen Verschwörung anzugehören. Bill ist verstört – der Zuschauer auch!

SOCIETY (bzw. in Deutschland damals vor der Indizierung DARK SOCIETY getauft) schafft etwas seltenes, das die jeweiligen Filme immer wieder (z.B. speziell bei David Lynch, oder wenn generell die Realität irgendwie in Frage gestellt wird) meist enorm aufwertet: er schafft eine Stimmung, in der überhaupt nicht mehr klar ist, was im Kopf des Protagonisten abläuft und was für bare Münze genommen werden darf. Unerklärliches balanciert genau auf dem schmalen Grat zwischen übernatürlicher Ursache und plausibleren, irdischen Gründen und fest zu nageln, wo die Grenze zum Traum verläuft ist unmöglich – man weiß es einfach nicht. Da verschwinden Autos in denen Bill vorher noch Leichen fand, da verändern sich widerliche Audio-Aufnahmen von Inzest-Orgien auf Diktiergeräten zu saloppen Lobgesängen auf die Integrität seiner Schwester, da legen Polizisten besondere Härte und Befangenheit an den Tag. Spielt Bill verrückt? Ist er völlig zu recht beim Psychologen in Behandlung? Zweifel schleichen sich ein. Besonders wichtig im Aufbau dieser diffus-undurchsichtigen Wirkung ist der Ton – der beklemmende Score von Mark Ryder schafft ein geschärftes Bewusstsein für die plausible Existenz schier endlos tiefer Abgründe unter der oberflächlichen Fassade der Gesellschaft. Der Titel gebenden „Society“.

Übergeordnet ist der gesamte Film wahrscheinlich als groteske Metapher auf die geschlossene Vetternwirtschaft der elitären Oberschicht zu verstehen – die noblen Herrschaften versuchen alles nur erdenkliche, um die heranwachsenden Sprösslinge in das Raster der Anzug-tragenden „Society“ zu pressen. Wer in diesem Werdungsprozess besonders glänzt, wird es vielleicht sogar nach Washington schaffen – die Einfuhrstraße ist bereits asphaltiert.

Bezeichnend ist zudem der Umgang der Elite mit den weniger gut gestellten Schichten der Gesellschaft: ganz wörtlich wird das niedere Fußvolk gegen Ende wahrlich „ausgesaugt“. Was hier an  makaber-schleimigen Special-Effects aufgefahren wird, ist wohl die absolute Spitze seiner Zeit (oder überhaupt der Epoche der praktischen Bodyhorror und Gore-Effekte). Aus der Implosion des Scheins erwächst ein monsterhafter Trip durch die dunklen Geheimnisse, die unter den Smokings und Ballkleidern schlummern. Es geht zur Sache – fressen, oder gefressen werden, der aus der Reihe tanzende und deshalb bereits abgeschriebene (also symbolisch aufgrund seiner Untauglichkeit für die Führungselite totgesagte) Bill muss sich entscheiden und wählt den Weg des Widerstandes. Mit geballter Kraft gegen die 0,1%, raus aus der Suppe an Gedärm – Viva la Revolucion!

Sicher stehen hier Spaß an Effekten und die mysteriöse Psycho-Stimmung im Vordergrund (weshalb der Film eine Menge Spaß macht und das ein oder andere Mal amüsiert jauchzen lässt), aber dennoch sind die gewählten Wege, speziell die überdurchschnittlich abgedrehten Körper-, Fleisch- und Gedärm-Mutationen gegen Ende interessante Mittel eines Filmemachers, um mal gehörig seinen Frust über das unlautere Treiben in Politik und Schickeria abzulassen.

Irres Ding.


Wertung
7-8 von 10 verwachsenen Körperteilen


Veröffentlichung
SOCIETY ist bei Capelight Pictures auf BluRay, DVD und als VoD erschienen.


Weblinks
IMDB
OFDB
MOVIEPILOT
ROTTEN TOMATOES
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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3 Gedanken zu „Horrorctober 2014, Film #13: (Dark) Society (1989)“

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