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Film: The Signal (2014)


The Signal (IMDb) – Science-Fiction, Mystery, USA, 2014 – RegieWilliam Eubank, SkriptWilliam Eubank, KameraDavid Lanzenberg, MusikNima Fakhrara, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Capelight Pictures


Review
Aus Spaß wird ernst, als eine Gruppe dreier Jugendlicher während eines Trips quer durch die USA schnell noch am Wegesrand der sorgsam ausgelegten Spur eines geheimnisvollen Hackers nachgehen will. Von verschlüsselten Koordinaten ins tiefe Nirgendwo der Wüste geführt, kommt es zu einem unerklärlichen Zwischenfall und die drei (bzw. für uns zunächst nur Protagonist Nic, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt ist) erwachen in einem seltsamen Wissenschafts-Bunker – ihn zu verlassen scheint unmöglich.

Es wäre ein leichtes THE SIGNAL in der Luft zu zerreißen, da Filmemacher William Eubank in seiner zweiten Regiearbeit – eigentlich ist er hauptsächlich als Kameramann unterwegs – eine Vielzahl stilistischer Stereotype bedient. Er eröffnet mit lichtdurchfluteter, warmer Bildästhetik, die in Verbindung mit dem beschwingten Score wie für Indie-Festivals maßgeschneidert wirkt, schwingt dann im großen Stil die Mystery-Keule, allerdings auf eine Weise, die etwas zu sehr (weil ausschließlich) auf den finalen Twist hinarbeitet und liefert mit diesem einen Payoff der, naja, sagen wir mal „sicher nicht jedermanns Sache ist“. Böse Zungen könnten Totschlag-Argumente wie „plump“, oder „uninspiriert“ zücken. 

Doch THE SIGNAL ist einer der Kandidaten, die der reinen Summe ihrer Teile schnell entwachsen und als Gesamtwerk mehr erreichen, als die Formel auf dem Papier als Ergebnis voraussagt. Der Film funktioniert, denn schnell entfaltet das ungewöhnliche Vintage-Labor-Setting seine mysteriöse Wirkung und somit die unfreiwillige Gefangenschaft der Kids eine unangenehme Beklemmung. Look des Interieurs, Verhalten der mit Schutzanzügen bekleideten Entführer, dubiose Aussagen von Laurence Fishburne’s geheimnisvoll in sich ruhender Figur – das alles erlaubt nicht, sich ein Bild der wahren Umstände und des Zwecks dieser hermetisch abgeriegelten Räumlichkeiten zu machen.

Von Außerirdischen wird geredet, von unsicherer Oberfläche auf der für die Sicherheit nicht garantiert werden kann – bewusst triggert THE SIGNAL gängige Verschwörungstheorien und baut auf Paranoia durch Wissens-Defizite, das Kopfkino ist schnell ins Rollen gebracht: Regierung, Aliens, oder doch nur wahnsinnige Spinner, die sich in verlassenen Überbleibseln eines überalterten Forschungskomplex eingenistet haben? Was soll das alles, sind die drei nur Versuchskaninchen in einem wahnsinnigen Spiel, was haben die skrupellosen Typen mit Nic, Haley und Jonah vor? Nichts gutes, das wird spätestens klar, als Nic erfahren muss, dass nicht einmal vor drastischen Eingriffen in den eigenen Körper zurückgeschreckt wird.

Hinten raus, als langsam Licht ins Dunkel all dieser Mysterien kommt, entpuppt sich THE SIGNAL dann als reines Mystery-Vehikel, dem an der akuten Wirkung mehr als an der tieferen Aussage gelegen ist – sollte es letztere geben, so sind sie zumindest mir verborgen geblieben. Weniger faszinierend und wirkungsvoll ist der Film deswegen jedoch keinesfalls, denn das Grübeln wiegt mal wieder mehr als die erhellende Antwort (was natürlich mit der eigenen Präferenz und Mystery-Affinität steht und fällt). Und der Weg zu dieser Antwort gestaltet sich zeitweise zum Zerreißen spannend, ist mit irrsinnigen Slow-Motion-Montagen gespickt und wird mit Brenton Thwaites von einem jungen aber kompetenten Hauptdarsteller getragen, dessen Unglauben in den vielen WTF-Momenten sich erstklassig auf uns überträgt.

Insgesamt ist THE SIGNAL die Art hochgradig stylishes, junges Sci-Fi-Autorenkino von dessen Schlage es ruhig mehr geben dürfte, weil Eubank’s Vertrauen in die eigene Idee zu einem stimmigen Gesamtbild führt. Wird es das, in Anbetracht des aktuellen Hollywood-Shifts zu fast ausschließlichen 100+ Millionen Produktionen? In gänzlich pessimistischer Manier zitiert sich hier am besten Fishburne in seiner Rolle als eiskalter Befrager: „I’m afraid that’s not possible!“


Wertung
7 von 10 unfreiwilligen Körper-Modifikationen


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