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Film: Kings Of The City – Grupo 7 (2012)


Titel (IMDb) – Cop-Thriller, Spanien, 2012 – Regie: Alberto Rodríguez, Skript: Rafael Cobos, Kamera: Alex Catalán, Musik: Julio de la Rosa, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Tiberius Film


Review
Sevilla 1988 – die anstehende Weltausstellung, ein Prestige-Ereignis von unvergleichlichem Ausmaß, liegt noch ganze vier Jahre in der Zukunft, doch die Leitung der Stadt legt bereits alle erdenklichen Hebel um, die das zukünftige mega-Event zu einem internationalen Erfolg machen sollen. Innovative Bauprojekte soweit das Auge reicht, ein gänzlich neues Antlitz muss erschaffen werden – was in dieses Bild der heilen, so modernen wie weltgewandten Metropole jedoch nicht passt, ist ihre omnipräsente dunkle Seite.

Ein Stadtzentrum, in dem sich drogenabhängige Junkies um die Ecken stehlen, ganze Häuser besetzen und dort ihrem krankhaften Konsum fröhnen, Verbrechen begehen, um sich den nächsten Schuss setzen zu können. Ändern soll dies (wie jüngst real in Brasilien vor den Olympischen Spielen das Militär) die Einheit 7 der Polizei – bärtige, schlecht gelaunte junge Männer, die drastische Mittel nicht scheuen um Drogen, Dealer und Junkies von den Straßen zu kriegen – und solange die Ergebnisse stimmen, sind diese Mittel auch ihrem Vorgesetzten recht. 

GRUPO 7 lässt uns inmitten der staubigen Gassen mit ihnen auf Streife gehen und liefert ungefiltertes, pulsierendes Genrekino. Das Verhältnis der vier Cops – irgendwie kumpelhaft, aber doch nie bis auf die Ebene einer wahren Freundschaft reichend, weil trotz gemeinsamer Aktivitäten immer primär der Job ihr Ankerpunkt und Antrieb bleibt – ist skizzenhaft und fragmentarisch umrissen. Sitzen sie nach getaner Arbeit gemeinsam an der Bar, schweigen sie meist, treffen sie sich auf Feiern, verdrehen ihre Frauen gelangweilt die Augen, weil immer und immer wieder die gleichen Geschichten von vergangenen Raids und Verhören in trinkfreudiger Runde ausgepackt werden – Michael Mann wäre stolz auf dieses Level an Obsession mit der Profession.

Was die Männer bewegt und ihre (zweifelsohne vorhandenen) Wandlungen auslöst, bleibt in GRUPO 7 jedoch über weite Strecken nur vage formuliert – ein besonderer Mensch lässt den einen besonnener werden, erfolgs-induzierte Hybris den anderen zur Bestie mutieren – fast nur zu ahnen. Denn nicht das Wesen oder Innenleben dieser raubeinigen Cops, deren einer Fuß bald fest in der Illegalität steht, ist primäres Anliegen des Films, vielmehr nimmt er eine beobachtende, abbildende Perspektive ein und schleift uns mit durch den Dreck der Straße. Hat keine Scheu uns harte Gewaltakte vor die Stirn zu knallen, wählt drastische Mittel, um zu verdeutlichen wo wir Enden, wenn die tägliche Dosis elenden Wahnsinns uns von der Welt entfremdet und dabei nach und nach jegliche Hemmschwelle niederreißt.

Oder wie Moral sich verschiebt, wenn Menschen in Klassen eingeteilt werden, für die die Gruppe nicht mehr übrig hat als für räudige Hunde (z.b. die Prostituierte und Dealerin Caoba bei ihrer ersten Zusammenkunft), oder denen sie vollen Respekt entgegenbringt, weil ein Bewusstsein existiert, dass das gegenüber mehr als ein atmender Fleischklumpen ist, aus dem man nach Belieben Informationen herausprügeln kann.

Um diesen moralischen Ab- im Zuge des professionellen Aufstiegs erfahrbar zu machen, begleitet GRUPO 7 die Einheit in einem gelungenen dramaturgischen Bogen über vier Jahre – von den ersten Fängen kleinerer Junkies, bis zu den ganz großen Funden, die nur möglich waren, weil sie selbst in den Kopf des Feindes eingestiegen und zu ihm geworden sind.

Die starke Kamera ist dabei oft nah dran, rast mit den agilen Männern durch enge Gassen, oder über Dächer, fängt eiskalte Gesichtsregungen ein, sowie die trotz stetigem Sonnenschein bedrückende Stimmung einer gebeutelten Stadt, die unter der politischen Agenda einer drastischen „Säuberung“ eine Vielzahl Bürger unter Generalverdacht stellt. Die stille Kritik an einer politischen Führung, welche die unmenschlichen Mittel heiligt, um sich selbst mit Erfolgen zu schmücken, wird nie laut ausgesprochen, ist jedoch immer da.

GRUPO 7 ist ein kleiner Film der in seiner authentischen spät-80er/früh-90er Stimmung die großen Plot-Elemente bewusst beiseite lässt, auf Spannung und ungeschliffene Figuren setzt und primär vor allem wirkt. Und wie? Verschwitzt, staubig, hart und roh, dabei als Anklage an verkommene Methoden aber immer auch irgendwie menschlich. Zwar leidet der Look selten ein wenig an offensichtlichen Colourgrading-Standards des Actionthriller-Fachs, dem Gesamtwerk tut das aber wenig Abbruch.


Wertung
7 von 10 Kiefer-brechenden Verhörmethoden


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