Archiv der Kategorie: Asien

Filme aus Zentral- und Südost-Asien

Serie geschaut: Sense8 – Season #2 (2017)


Sense8 (IMDb) – Season #2, Science-Fiction, Drama, Ganze Welt, 2017 – Creator: Lana WachowskiLilly Wachowski , KameraJohn Toll, MusikJohnny KlimekTom Tykwer, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Netflix


Review
In Anbetracht der inhaltlichen und inszenatorischen Großartigkeit der ersten Staffel von SENSE8 (wir erinnern uns, ich war „leicht“ begeistert) hatte ich trotz unglaublicher Vorfreude und einem gelungenen Weihnachts-Special im Dezember etwas Angst die lang ersehnte zweite Season der Wachowski-Serie anzugehen. Season #1 ist so unbeschreiblich gut, konnte es also überhaupt gelingen dieses Niveau zu halten, geschweige denn sogar noch zu toppen? Ich war kribbelig. Ich fieberte. Ich hoffte. In der Eröffnungs-Episode WHO AM I? dauerte es genau 11 Minuten bis zur ersten absolut herausragenden Montage, die unter Erzeugung von Gänsehaut bis ins Letzte den SENSE8-Vibe atmet. Zweifel weg. Und sie sollte nicht die Letzte bleiben.

Die zweite Staffel (ich zähle das Weihnachtsfest-Special dazu) setzt stilistisch und emotional nahtlos da an, wo die vorherige ihren Schlussstrich zog – trotz Toby Onmuwere als neuem Darsteller des lebensfrohen Busfahrers Van Damme, trotz des Rückzugs von Lilly Wachowski aus der Produktion und trotz der Bringschuld, nach der Staffel-umspannenden Origin-Story des Clusters als Gemeinschaft, nun langsam tiefer in den Verschwörungs-Plot um Whispers und dessen geheime Organisation einzutauchen.  Serie geschaut: Sense8 – Season #2 (2017) weiterlesen

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Film: Tokyo Tribe (2015)


Tokyo Tribe (IMDb) – Groteske, Musical, Japan, 2015 – Regie: Sion Sono, Skript: Sion Sono, Kamera: Daisuke Sôma, Musik: B.C.D.M.G., Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Rapid Eye Movies


Review
Tödliche Haarverlängerungen, ein vierstündiges Splatter-Liebes-Epos mit Martial-Arts-Hößchenfotografie und nun ein abgedreht-buntes Gangsta-Rap-Musical, das sich wie die Smartphone-Game-Version der ENTER-THE-VOID-Variante von THE WARRIORS anfühlt – immer wenn man denkt Sono Sion kann keinen mehr drauf setzen, tut er es einfach. Wer zelebrierten Exzess zum vielleicht einzigen roten Faden des eigenen Werks erkoren hat, trumpft eben in den unerwartetsten Momenten durch ein seltenes As im Ärmel auf.

Lässt man sich den Inhalt von TOKYO TRIBE genüßlich auf der Zunge zergehen – dauer-rappende Gangs in Tokyo, die mit Fäusten und Punchlines in einer blinkend-verzerrten Neon-Variante der Stadt um Territorien battlen, sich aber dann zusammenschließen um den fiesen, kleine Kinder verspeisenden Oberboss vom Thron zu schmeißen – so steht eigentlich nur eines fest: zu erahnen, was in diesem Konglomerat der weirden Ideen an überbordenden Motiven auf den Zuschauer wartet, gestaltet sich unmöglich. Zu ungewöhnlich, zu schräg und (ganz in Tradition des Regisseurs) eben auch zu einzigartig. Aus eben dieser Unberechenbarkeit generierte Sono oft einen nicht unerheblichen Teil seiner Schlagkraft, die Konsequenz mit der er Dinge einfach tat, statt sich vorsichtig heranzutasten, zeichnet sein Werk von jeher aus.  Film: Tokyo Tribe (2015) weiterlesen

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Film: Die Taschendiebin – The Handmaiden – Agassi (2016)


The Handmaiden (IMDb) – Thriller, Drama, Südkorea, 2016 – Regie: Park Chan-wook, SkriptPark Chan-wook, Jeong Seo-Kyeong, Kamera: Chung Chung-hoon, Musik: Jo Yeong-wook, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Koch Media


Review
Gibt es eine unumstößliche Wahrheit? Können wir, klein und beschränkt in unserer Sicht, den Finger auf etwas legen und mit Gewissheit behaupten, dass es ist wie es ist und nicht anders? Oder ist alles, immer und überall, ausnahmslos eine Frage des Blickwinkels, weil wir doch sowieso nicht anders können, als nur zu sehen, was wir sehen wollen?

Vergnügt, lebendig und in wundervoll gestalteten Bildern stellt Park Chan-wook – nach dem US-Debut STOKER nun wieder zurück in Korea auf dem Regiestuhl – diese Fragen in den Raum, positioniert sich selbst damit in eindeutiger RASHOMON-Tradition und führt uns im Fortlauf seiner Geschichte regelrecht schelmisch vor Augen, wie eine klitzekleine Information schlichtweg alles verändern kann.

Ein Gauner will, getarnt als vermeintlicher Fürst, die reiche Adlige Lady Hideko aus Japan verführen, um sie so zu hindern von ihrem besitzergreifenden Onkel in eine erzwungene Hochzeit gedrängt zu werden und an ihr Vermögen zu gelangen, also setzt er die junge Taschendiebin Sook-hee als vorgetäuschtes Hausmädchen darauf an, die Einflugschneise seines großen Auftritts zu präparieren. Dass die einsam und kindlich anmutende Lady, zunächst „nur“ Opfer rein finanzieller Begierde, sich in ihren merkwürdigen Eigenarten zunächst gar nicht in dieses Spiel einfügen will, verkompliziert das Unterfangen. Als dann alsbald in Sook-hee, die ihrer Rolle als manipulative Dienerin anfangs noch gewissenhaft und abgebrüht nachkommt, etwas unerwartetes erwacht – ein Gefühl, dass sie noch nicht kannte und welches sie eine starke Anziehung hin zum Ziel ihrer Täuschung verspüren lässt – wird diese sogar zum Spielball konträrer Interessen.  Film: Die Taschendiebin – The Handmaiden – Agassi (2016) weiterlesen

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Film: Saya-Zamurai (2010)


Saya Zamurai (IMDb) – Absurde Komödie, Japan, 2010 – Regie: Hitoshi Matsumoto, SkriptHitoshi Matsumoto & andere, Kamera: Ryûto Kondô, Musik: Yasuaki Shimizu, Copyright (Titelbild, Trailer): Rapid Eye Movies


Review
Den Vorgänger SYMBOL von Hitoshi Matsumoto fand ich in seinem beknackten, ziemlich einzigartigen Irrsinn ganz grandios, demnach war mir klar, dass ich den Nachfolger SAYA ZAMURAI sehen muss und sicher wieder keinen „normalen“ Film zu erwarten hatte.

Und ja, wenn diese komische, schwer zu greifende Story um einen schwertlosen Samurai, der seine Ehre verlor und durch eine Verkettung von Zufällen den Sohn des Kaisers in einem von dreißig Versuchen zum Lachen bringen muss, eines ist, dann extrem weird! Schräg, bizarr, zeitweise fast surreal. Wirklich gut, oder auch nur rund, wird der Film dadurch jedoch nicht.

Matsumoto findet, durch gelungenen Schnitt und einen sehr eigenen, aufgeräumten visuellen Stil, inmitten des gezeigten Unsinns zwar oftmals einen herrlich absurden, sehr visuellen Humor – sowohl in der endlosen Wiederholung gewisser Bausteine, wie auch im stetigen Übertrumpfen der Absurdität der vorigen Erheiterungs-Versuche, denn diese strotzen vor abgedrehten Ideen, auch wenn sie zwar lediglich mit Grimassen und Tänzen beginnen, aber nachdem sich zu unserem Protagonisten und seiner schlecht gelaunten Tochter zwei weitere Samurai als ideenreiche Berater gesellt haben, in überdimensionalen Flugversuchen, lebenden Kanonenkugeln, etc. gipfeln – rein filmisch läuft sich all das jedoch schnell tot.  Film: Saya-Zamurai (2010) weiterlesen

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Film: The Whispering Star – Hiso hiso boshi (2015)


Titelbild, Bildausschnitte & Trailer © by Rapid Eye Movies


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Endzeit, Science-Fiction, Gedankenexperiment
Regie: Sion Sono
Drehbuch: Sion Sono
Besetzung: Megumi KagurazakaKenji Endo, Yûto IkedaKôko Mori
Kamera: Hideo Yamamoto
Musik: –
Schnitt: Jun’ichi Itô


Review
Was bleibt, wenn alles zu Grunde geht? Wenn Zeit relativ wird, Sekunden endlos, Zivilisation zu vergessenen Ruinen verfällt? Wenn Einsamkeit die Norm ist und Emotionen verkümmern, weil es niemanden mehr gibt, der sie auslöst?

Einleitende Fragen, die man nicht auf Anhieb mit einem Filmemacher wie Shion Sono verbindet, doch nach all dem lauten, schrillen und unangenehmen Irr- und Wahnsinn, den der eigensinnige Mann in den letzten Jahren auf die Leinwand brachte, ist ihm mit THE WHISPERING STAR ein (erneut sehr guter, aber vor allem) überraschender Film gelungen. In allen Belangen.

Keine Blutfontänen, keine Gangsta-Rap-Battles, keine Schlüpfer-Fotografie, stattdessen endlose Stille, Intimität und eine Nachdenklichkeit, die ihre Fühler tief in meditative Gefilde ausstreckt. THE WHISPERING STAR ist, ganz im Gegensatz zu den großen Gesten seiner bekannteren Filme, ein Werk der kleinen Momente geworden. Der Nuancen und Denkanstöße. Denn während wir den Cyborg Yoko Suzuki No. 680 in ihrem kleinen, altmodischen Raumschiff bei jahrelangen Flügen durch ein fast menschenleeres All begleiten, sind es vor allem Kleinigkeiten, simple Banalitäten, auf die Sono unseren Blick lenkt.  Film: The Whispering Star – Hiso hiso boshi (2015) weiterlesen

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