Meinung: Media Monday #325

Guten Morgen die Damen und Herren. Mal wieder widme ich den Montagmorgen meiner Teilnahme an Wulf’s Media Monday, heute in der Ausgabe #325. Ihr kennt den Deal, drüben im Medienjournal gibt es sieben Lückentexte, hier bei Jacker’s 2 Cents (und natürlich auch in zahlreichen anderen Blogs) werden sie mit Leben gefüllt. Ich hoffe, dass es mir gelingt etwas gescheites beizutragen Habt eine schöne Woche!


1. Wenn heutzutage noch immer Serien nur auf DVD und nicht auf Blu-ray veröffentlicht werden, fehlen mir dafür ehrlich gesagt die Worte! Gerade vorgestern war ich wieder eine Weile auf DVDbeaver und Caps-a-holic unterwegs, um die internationalen Releases einiger italienischer Giallo-Klassiker zu vergleichen und habe wieder schmerzlich vor Augen geführt bekommen, wie extrem die DVD gegen die BluRay abstinkt. Wie auch nicht? Denn bei Scans analog gefilmter Quellen, mag ich gar nicht anfangen zu rechnen, wie viel hundert K man braucht, bis bei maximalem Zoom in das Bild auch Form des Filmkorns, etc. korrekt abgebildet sind. Die Grenze ist da das Atom. Bei digital, also heute mindestens in 4K gefilmtem Material, stellt die DVD ein Schrumpfen auf – festhalten – ein SECHZEHNTEL des Ausgangsmaterials dar – mehr braucht man wohl nicht sagen. Für mich ist die DVD tot und die Male,  in denen ich aufgrund von fehlender Verfügbarkeit einer BluRay noch zu ihr greifen muss, nerven mich sehr. Das Bild ist einfach zu schlecht. Nicht suboptimal, nicht mittelmäßig, sondern einfach schlechtMeinung: Media Monday #325 weiterlesen

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Ein Paar Worte zu: Billy Lynn’s Long Halftime Walk (2016)


Billy Lynn’s Long Halftime Walk (IMDb) – Kriegsfilm/Drama, USA/China, 2016 – Regie: Ang Lee, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Sony Pictures Home Entertainment


Review
Ein Kriegsfilm, der sich komplett auf das Innerste (s)einer Figur(en) stürzt und im gleichen Zug noch absurde Propaganda-Mechanismen kriegsgeiler Nationen (hier USA) demontiert, müsste eigentlich genau mein Ding sein. Keine Gefahr der Verlockung von heroisierendem Schlachten-Bullshit auf den Leim zu gehen, Kritik an dem, was hart kritisiert werden muss und hinten raus die richtige Aussage – klingt gut.

So viel zur Theorie.

Denn auch wenn ich glaube, dass Ang Lee mit Billy Lynn’s über zwei Wochen ausgedehntem PR-Wirksamen Halbzeit-Spaziergang – was hier wohl nicht bloß die durch-inszenierte Halbzeit des Footballspiels, sondern seines persönlichen Erlebens des Krieges meint – zumindest zeitweise in besagte Richtung wollte, kommt emotional nicht wirklich viel bei mir an. Sein Trauma wird gestreift, die emotionale Zerstörtheit der verbliebenen Familie zuhause wird gestreift und auch die Zustände in einem Land, welches junge Männer nach wie vor über perfide Wege in den Krieg lotst, werden gestreift. Eine partielle Dekonstruktion des aufgebauschten Helden-Pathos gelingt dabei auch, BILLY LYNN schafft ein Gefühl dafür, wie verdreht und falsch es ist, dass ein Mensch für den „schlimmsten Tag seines Lebens“ auf Händen getragen und gefeiert wird, indem der Film immer wieder zwischen Absurdität und Beklemmung schwankende Szenen generiert, in denen sich Billy sichtlich unwohl fühlt.

Woran BILLY LYNN jedoch komplett scheitert, ist eine Positionierung zu dem untragbaren Zustand, dass ein Melden zum Dienst im Squad für viele Jugendliche und junge Erwachsene nach wie vor die schönere Alternative im Leben ist. Implizit ist natürlich auch dies derbe Kritik am grundlegenden System einer ganzen Nation, doch eben diese Kritik erscheint zu nüchtern, zu wenig angriffslustig, das Miteinander der Jungs in der Army fast wie eine Legitimation ihres Einsatzes. „Zuhause ist es kacke? Na dann haben die Jungs ja tatsächlich mit dem Krieg die beste Option gewählt…“.

Ich will nicht unterstellen, dass dies Absicht war, wahrscheinlich schaue ich auch einfach viel zu kritisch auf absolut alles, was mit dem dreckigen Schaffen kriegstreibender Nationen, speziell der USA, für die der Dauerzustand Krieg auch noch essentielle Triebkraft der eigenen Wirtschaft ist, zu tun hat, aber auf mich wirkte es nun mal so. Im Gesamtbild war mir BILLY LYNN wahrscheinlich einfach zu zahm, ZU subtil (speziell da ich in puncto Gesellschaftskritik, etc. ja eher Fan von Dampfhammer-Kandiaten vom Schlage SNOWPIERCER oder Terry Gilliam bin), um seine Aussagen effektiv an den Mann zu bringen.


Wertung
5 von 10 weinend zurück gelassenen Schwestern


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Film geschaut: Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt (2017)


Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt (IMDb) – Satire/Drama/Musikfilm, Deutschland, 2017 – Regie: Arne Feldhusen, Skript:  Sven Regener, Kamera:  Christoph Iwanow & Lutz Reitemeier, Musik: VA, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): DCM


Review
Itze-Itze-Itze-Itze, alle Arme hoch, Trillerpfeifen raus, Abfaaaaaaaahrt!

Er hat es in mittlerweile sechs (viel zu kurzen) Staffeln TATORTREINIGER bereits zur Genüge bewiesen und nun mit einem herrlichen Spielfilm endgültig alle Zweifel ausgeräumt: Arne Feldhusen kann es. Ziemlich gut sogar! Und wenn dann auch noch Sven Regener das Skript „verzapft“ hat, ein Multitalent das mit HAI-ALARM AM MÜGGELSEE meinen vielleicht liebsten deutschen Film der letzten Jahre schrieb (und vertonte), plus auch zuvor im Gespann mit Leander Haußmann bereits mehrfach zur Höchstform auflief, rollt, bzw. schranzt da ein absolutes Must-See auf mich zu.

Gute Wahl, denn besonders mit Affinität zu elektronischer Musik, Wissen um ihre Ursprünge, sowie Bewusstsein für das auf absurde Größe gewachsene Massenphänomen, welches sie Mitte der Neunziger wurde, findet sich in MAGICAL MYSTERY reichlich Unterhaltungswert. Auf Peak Mainstream-Techno (den man keinesfalls „Tekkno“ aussprechen sollte), lassen Regener und Feldhusen eine Gruppe skurril-verpeilter DJs und/oder Produzenten und/oder Party-Nasen im gemieteten, schnell zugemüllten Bulli auf Achse durch die Republik gehen, um dem legendären Roadtrip der Beatles nachzueifern – ganze Nacht Party, ganze Nacht Mucke, auf der Suche nach einem Traum.  Film geschaut: Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt (2017) weiterlesen

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Film geschaut: Deep in the woods – Au fond de bois (2010)


Deep in the woods (IMDb) – Psychothriller/Drama/Rape’n’Revenge, Frankreich, 2010 – RegieBenoît Jacquot, Skript:  Benoît Jacquot, Kamera:  Julien Hirsch, Musik:  Bruno Coulais, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Alamode Film


Review
Mit DEEP IN THE WOODS bekommen wir den seltenen Fall eines, unter anderen Vorzeichen stark abstrahierten Genre-Motives vorgesetzt – Obsession, Gewalt und weitere typische Horror-Motive, allesamt gewissermaßen in die Autorenfilmer-Variante eines Rape’n’Revenge-Streifens verfrachtet.

Im 19. Jahrhundert macht sich der sleazige Creep Timothée die (ziemlich) schöne Josefine, Tochter eines Edelmannes, gefügig und zwingt sie auf eine zehrende Odyssee durch die Wälder und Dörfer. Schenkt man dem Gezeigten Glauben – Timothée gewinnt ständig mit kleinen Zaubertricks die Gunst der Leute (oder auch ihre Angst) – gelingt ihm dies über das Mittel der Hypnose, doch ob es wörtlich zu verstehen ist, sei dahin gestellt. Viel mehr erscheint die Technik allegorisch, stellvertretend für die Wirkung welche Menschen, bzw. bei Ausweitung der Betrachtung auch ganz allgemein Geschlechter, aufeinander haben. Regisseur Benôit Jaquot agiert an der Basis seines Stoffes symbolisch, Timothée zieht Josefine, auf welche Weise auch immer, in den Bann. Film geschaut: Deep in the woods – Au fond de bois (2010) weiterlesen

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Film geschaut: T2 Trainspotting (2017)


T2 Trainspotting (IMDb) – Schwarze Komödie/Groteske/Drama, UK, 2017 – Regie:  Danny Boyle, SkriptJohn HodgeIrvine Welsh, Kamera: Anthony Dod Mantle, Musik: VA, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): © by Sony Pictures Home Entertainment


Review
Das 20 Jahre später erschienene Sequel zu TRAINSPOTTING ist (im positivsten denkbaren Sinne) ein ziemlich seltsamer Film. Ohne je eine wirkliche Linie in seinem Werk zu finden (bzw. sie vielleicht gar nicht finden zu wollen), geht Danny Boyle mit gewohnt ultra-stylishem (!) Händchen für Audiovisualität der Frage nach, was man über die Gruppe abgedrehter ex-Junkies nach so langer Zeit eigentlich erzählen kann und will, oder ob Substanz völlig egal ist, weil er (und wir) auch zufrieden sind, wenn Spud und co. einfach ein zweites Mal völlig über die Stränge schlagen und wir alle gemeinsam laut „Fuck it!“ brüllen.

„You had your time, you had the power. You’ve yet to have your finest hour.“

Findet er die Antwort? Vielleicht, vielleicht nicht – wenn dem tatsächlich so sei, ist sie wohl ein buntes Mosaik, das ein Stückchen aller denkbaren Antworten auf alle denkbaren Fragen in sich trägt. TRAINSPOTTING 2 gestaltet sich nämlich als wüstes Wechselbad aus Stimmungen und verrückten Einfällen. Film geschaut: T2 Trainspotting (2017) weiterlesen

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